Vipassana und GFK - passt das? Ein Erfahrungsbericht...

 

Meine Erfahrungen auf einem 10-Tage-Vipassana Retreat
(siehe: dvara.dhamma.org)

 

 

Warum Vipassana?

Ich hatte mich für ein 10-tägiges Vipassana-Retreat angemeldet, weil ich den Eindruck hatte, ich bräuchte einen Ausgleich. Seit 12 Jahren übe ich mich mithilfe der GFK in meinem Alltag in mitfühlendem Verstehen, d.h. ich "trainiere" Empathie. Seit langem habe ich das Gefühl, ich bräuchte auch etwas "Training" darin, meinen Fokus zu halten und meine Entschlossenheit zu steigern, um Einseitigekeiten, die mir aufgefallen waren, auszugleichen. Vor allem durch Ken Wilber ist mir schon lange einiges dazu klar geworden:
Eros, die "maskuline Energie" ("Begeisterte Liebe", "nach Höherem streben", klar, zielgerichtet, entschlossen, Fokus, verstehen...) ohne Agape, die "feminine Energie" ("Barmherzige Liebe", "das niedere Umarmen", integrieren, umarmen, mitfühlen...) führt zu Phobos (Angst - insbesondere vor den Schatten und den Gefühlen, allgemein dem "Niederen"/"Grundlegenderem"...) und
Agape ohne Eros führt zu Thanatos (Stagnation, Lähmung, ...) (Quelle siehe mein Blog: https://www.gfk-lebensfreude.de/2011/05/20/zwei-s%C3%A4ulen-in-der-pers%C3%B6nlichkeitsentwicklung-eros-weisheit-und-agape-mitgef%C3%BChl/ )

Bei mir war in meinem Leben lange letzteres vorherrschend: Stagnation wegen relativ unterentwickeltem "Eros" - und ich sehe immer noch Reste davon und hatte die Hoffnung, Meditation sei eine gute Trainingsmethode, die "maskuline Energie" zu entwickeln und die "Stagnation" weiter aufzulösen...

Vipassana hatte ich eher zufällig gewählt - ich bin über https://www.dvara.dhamma.org/de/ gestolpert und die Rahmenbedingungen, sowie der Geist dahinter haben mich angesprochen. Ich hatte vor über 10 Jahren einmal ein Zen-Retreat gemacht und das hat mich nicht so begeistert - zu "nüchtern" - hat mich nicht angesprocchen. Vipassana versprach etwas anderes, allerdings dachte ich, es sei auch eher "kognitiv" - und da hatte ich mich getäuscht: zwar sehe ich Vipassana immer noch als eine Methode, die "maskuline Energie" zu trainieren, aber es ist noch viel mehr als das: insbesondere zu entdecken, wie sehr Vipassana im Einklang insbesodnere mit der GFK-Transformationspraxis steht, war für mich überraschend!

Der Zeitplan versprach intensive 10 Tage: 4 Uhr Wecken und 21:30 Uhr Licht aus (Tagesplan s.u.) - und dazwischen 10 Stunden Möglichkeiten zum Meditieren. Allerdings wußte ich, dass ich das nicht können werde, ohne mich zu überfordern (und damit die Lust am Weitermachen nach dem Retreat zu verderben) - und da ich davon ausgehen konnte, dass ich nicht der "einzige Idiot" bin, dem es so geht, beschloss ich es auf mich zukommen zu lassen. Das hat sich bewährt: Letztendlich habe ich tatsächlich 3 1/2 bis 4 Stunden intensiv meditiert - und die Erfahrungen, die ich dabei gemacht habe, waren sehr wertvoll für mich - sie haben mich erstaunt und begeistert. Und das wichtigste: ich meditiere weiter!

 

Meine Erfahrungen:

Meine erste "Ent-Täuschung" war es, herauszufinden, dass Vipassana eben gerade keine kognitive Meditation ist. Vipassana ist, anders als ich das vom Zen und anderen Meditationsformen her kenne, ein Trainingsmethode die die Verbindung zum Körper verbessert, weil das Spüren der Körperempfindungen im Zentrum steht. Das hatte zur Folge, dass ich schon am 5.Tag ein deutlich verändertes Körpererleben hatte: ich hab mich in meinem Körper spürbar leichter und lebendiger erlebt...
Vor allem aber: ich habe in diesem Retreat immer wieder erfahren dürfen, dass körperlicher Schmerz nicht weh tun muss! Diese Erfahrung hat mich sehr erstaunt, obwohl ich sie bei emotionalem Schmerz schon gemacht hatte und auch davon überzeugt war, dass auch körperlicher Schmerz nur durch unseren Widerstand unangenehm wird (ich wusste natürlich, dass wir den Widerstand so einfach loslassen könnten! ;-)

Bei meinem emotionalen Schmerz hatte ich in den letzten 10 Jahren insbesondere durch die GFK-Transformationspraxis von Robert Gonzales immer wieder selbst erleben dürfen, wie mein Widerstand gegen diesen emotionalen Schmerz im Grunde das eigentlich Unangenehme war - und zu erleben (und nicht nur zu glauben), dass das auch für körperlichen Schmerz gilt, war für mich eine wertvolle Bereicherung! Deshalb sehe ich das Praktizieren der Vipassana-Meditation inzwischen als eine hervorragende Ergänzung zur jeder GFK-Transformationspraxis an.

 

Meine Interpretation dieser Erfahrungen:

So wie ich es verstehe, besteht folgender Zusammenhang zwischen Vipassana und einer GFK-Transformationspraxis wie die von Robert Gonzales und Susan Skye: Eine GFK-Transformationspraxis hat zum Ziel, die Überzeugungen, Glaubenssätze und Interpretationen weicher zu machen und schließlich aufzulösen, die dazu führen, dass ein Auslöser in unserem Körper Empfindungen auslöst - und Vipassana hat zum Ziel unsere Reaktionen auf eben diese Empfindungen weicher zu machen und schließlich aufzulösen. Beides reduziert also unsere Reaktivität und stärkt damit unsere Fähigkeit, rücksichtsvoll uns selbst und anderen gegenüber zu sein, beides stärkt also unsere Fähigkeit, gewaltfreier zu sein, unsere Fähigkeit "alle Bedürfnisse jederzeit zu achten".

Vipassana kultiviert diese Fähigkeit zu Rücksichtnahme durch das Üben von Gleichmut (S.N. Goenka) oder gar von "freundlichen Interesse" (Renate Seifrath) unseren Empfindungen gegenüber. Und eine GFK-Transformationspraxis kultiviert die Fähigkeit zur Rücksichtnahme durch das Üben von mitfühlendem Verstehen, das die Interpretationen und die damit zusammenhängenden unangenehmen Gefühle in der Trauer der Sehnsucht auflöst und uns wieder mit der Lebensenergie verbindet...

Für mich ist die Entdeckung von Vipassana inzwischen genauso wertvoll, wie die Entdeckung der GFK-Transformationspraxis von Robert Gonzales - und das heißt viel!

 

Ich hoffe es ist etwas rübergekommen von dem was ich erlebt habe. Wer weiter interessiert ist, kann sich auch in meinem "Tagebuch" des Retreats lesen - es befindet sich hier gleich anschließend :-)

Viele herzliche Grüße
Volkmar

 

Tagebucheinträge während eines 10-tägigen Vipassana-Retreats

 

Der Tagesablauf während des Retreats sieht wie folgt aus:

 

4:00 Uhr Gong zum Wecken

 

4:30-6:30 Uhr: Möglichkeit, selbständig zu meditieren

 

4:30-6:30 Uhr Möglichkeit, selbständig zu meditieren

 

6:30-7:00 Uhr Frühstück für „new students“ (die anderen um 7:00 Uhr)

 

8:00-9:00 Uhr Gemeinsame Meditation in der Halle

 

9:10-9:40 Uhr Kurzvortrag mit gemeinsamer Meditation und danach
kurze Befragung von ¼ der Teilnehmer/innen nach ihren Fortschritten

 

Bis 11:00 Möglichkeit, selbständig zu meditieren

 

11:00-11:30 Uhr Mittagessen für „new students“ (die anderen um 11:30 Uhr)

 

13:00-14:30 Uhr: Möglichkeit, selbständig zu meditieren

 

13:30-14:30 Uhr Möglichkeit, selbständig zu meditieren

 

14:30-15:00 Uhr Gemeinsame Meditation in der Halle (am 4. Tag beginn schon um 14:00 Uhr)

 

15:10-15:30 Uhr Kurzvortrag mit gemeinsamer Meditation und danach
kurze Befragung von ca. ¼ der Teilnehmer/innen nach ihren Schwierigkeiten
(am 4. Tag Beginn um 14:40: Einweisung in Vipassana)

 

15:30-17:00 Uhr Möglichkeit, selbständig zu meditieren

 

17:00-17:30 Uhr Abendessen (kein Essen, nur Tee, Saft und Obst)

 

18:00-19:00 Uhr Gemeinsame Meditation in der Halle

 

19:15-20:15 Uhr Vortrag mit Einweisungen

 

20:30-21:00 Uhr Abschlussmeditation

 

21:30 Uhr Licht aus

 

Insgesamt bedeutet das: mindestens 4-5 Stunden täglich gemeinsam meditieren und ca. 1 Stunde zusammen Vortrag schauen – wer will kann zusätzlich 5 Stunden meditieren...

 

 

 

Heute ist der 3. Tag, es ist 10:00 Uhr und ich beginne mein Tagebuch...

 

Rückblick:

 

Ankunft am Abend nach 10 Stunden Bahn und Bus… Zu Fuß in einsamer, verschneiter Landschaft einen Kilometer hinauf auf den Hügel zum Zentrum… Anmeldung: versehentlich bei den Frauen gelandet – die Geschlechter sind schon getrennt… Anmeldeformular… dieselben Fragen wie bei der Online-Anmeldung – ich fülle nicht alle aus – zu müde und mir fehlt das Verständnis… Abendessen – Linsensuppe – sehr lecker… ab jetzt heißt es schweigen… das vereinfacht vieles – es reduziert die Möglichkeiten, zu vergleichen… das Schweigen reduziert auch die Möglichkeiten sich zu triggern und damit auch für Konflikte… es reduziert diese Möglichkeiten, eliminiert sie aber nicht...

 

Auf dem Zimmer – überraschend und wohl zum ersten Mal in meinen „Seminarjahren“: ein Einzelzimmer – ich genieße es und bin sehr dankbar – insbesondere weil es mir die Möglichkeit lässt, einen Freund in Not und auch meine Tochter bei Ihrer Bewerbung zu unterstützen…

 

Um 20:00 Uhr Treffen in der Meditationshalle… jede/r bekommt eine feste Meditationsmatte – ich bin auf „D6“… alles scheint bis ins Kleinste organisiert – das gibt Halt und hilft zu Vertrauen…

 

Wir hören Goenka – als Aufzeichung… wir werden vertraut mit seiner sehr indischen Art, Englisch zu reden… Englisch zu singen… sein „staaarrt-ageeeen… staaarrt-ageeeen…“ wird mir wohl immer in angenehmer Erinnerung bleiben…

 

Am Tag 1 weckt mich der erste Gong um 4 Uhr – ich wache auf, bleibe aber liegen – die letzten Tage schon zu wenig Schlaf gehabt… der zweite Gong um 4:30 bedeutet meditieren auf dem Zimmer – ich ruhe ohne zu schlafen… um 6:00 Uhr stehe ich auf… der dritte Gong um 6:30: Frühstück für die „neuen“ Schüler… der vierte Gong um 7:00 Uhr ruft die „alten“ Schüler zum Frühstück…

 

Ich spüre viel Dankbarkeit dafür, hier sein zu dürfen – die Ruhe – die Unterkunft direkt am verschneiten Wald – der blaue Himmel und die Sonne…

 

Um 8:00 Uhr der fünfte Gong: bis 9:00 Uhr gemeinsame Meditation in der Halle… ich versuche meinen Körper nicht mit dem ungewohnten Sitzen zu überfordern… spüre Impulse der Geringschätzung für Mitschüler, die drei oder vier Polster unter jedes Bein legen oder eine Rückenstütze haben – oder gar auf dem Stuhl sitzen… Frage mich was diese Impulse bedeuten… ich merke, dass sich meine Sehnsucht nach Leichtigkeit darin ausdrückt – mit dem Gegenimpuls: ich würde so gerne entspannt Sitzen können – ohne Schmerz… in der Vergangenheit hab ich schon kurze Zeiten erlebt, in denen es mir gelang im Halbyoga zu sitzen: es war sehr angenehm und leicht...

 

„teeig-ressssd… teeig-ressssd…“ hören wir Goenka durch die Lautsprecher: „ruh Dich aus… ruh dich aus…“ – es klingt tröstlich nach einer Stunde Sitzen…

 

Um 11:00 Uhr der Gong zum Mittagessen… das Essen ist sehr schmackhaft… ich lerne Hefeflocken, eingeweichte rote Linsen und eingeweichte Mungbohnen zu schätzen…

 

Am Tag 2: ich verwechsle die Zeiten und bin erst um 8:15 Uhr in der Meditationshalle – also meditiere ich alleine in der kleinen Halle… Ich hätte mich doch ohne Uhr orientieren sollen – ist einfacher, der Gong genügt… alleine zu meditieren fällt mir nicht so leicht, wie gemeinsam…

 

Den Abendvortrag um 19:00 Uhr finde ich sehr interessant: Goenka‘s Interpretation des Achtfachen Pfades mit ethischem Verhalten (Sīla), Vertiefung (Samāmadhi) und Weisheit“ (Pannā)

 

Heute, am Tag 3, bin ich um 4:00 Uhr aufgestanden und hab geduscht… etwas gearbeitet… um 5:30 Uhr wieder hingelegt und meditiert … beim Frühstücksgong um 6:30 liegengeblieben und eingeschlafen… 6:50 Uhr aufgewacht und zum Frühstück gegangen… Orientierungsschwierigkeiten: dachte um 7:00 Uhr sei das Frühstück zu Ende, aber da kommen doch erst die „alten“ Schüler…

 

Um 8:00 Uhr der Gong zur gemeinsamen Meditation in der Halle – eine Stunde gemeinsame Meditation, dann Pause und nochmals zusammenkommen – dann wird es den meisten freigestellt, für die restlichen 1,5 Stunden bis zur Mittagspause in der Halle zu bleiben und gemeinsam zu meditieren, oder auf dem Zimmer zu meditieren… ich gehe auf mein Zimmer – will vor allem meine Beine schonen…

 

Um 11:00 Uhr der Gong und ich geh zum Mittagessen… die eingeweichten roten Linsen und die Mungbohnen sprießen inzwischen (war wohl dem Retreatstart geschuldet, dass sie gestern „ungesprossen“ serviert wurden ;-)…

 

Um 13:00 Uhr wieder ein Gong: wir sollen selbständig meditieren – ich mach da noch nicht mit, weil das Sitzen für meine Beine noch zu schmerzhaft ist…

 

Um 14:30 Uhr der Gong zur gemeinsamen Meditation in der Halle (eine Stunde)… eigentlich ist das die beste Gelegenheit, meine Erfahrung mit Widerstandslosigkeit gegenüber Schmerz auch auf den Schmerz in meinen Beinen anzuwenden… mein Rücken tat am ersten Tag auch weh/war verspannt – inzwischen geht es ihm ganz gut – vermute ich war rücksichtsvoll genug, so dass er sich nicht mehr zu wehren braucht ;-)… mit meinen Beinen ist das noch schwierig: es gibt eine Schmerzschwelle, ab der ich mich verspanne – und dann wird es wirklich unangenehm… bis zu dieser Schwelle ist es eine Gratwanderung zwischen ignorieren und darin versinken…

 

Wie geht das: den Schmerz mitfühlende Annehmen und Halten? Ich merke, wenn ich es schaffe, den Fokus auf der Nase zu halten (die ist gerade unser Meditationsfokus), dann verschwindet der Schmerz auch oft wieder völlig… Der Schmerz kommt und geht – das ist gerade weniger als sonst „Theorie“, sondern erfahrbare Praxis… Ist es vor allem die Schwierigkeit, nicht zu ihm hingezogen zu werden, wenn der Schmerz kommt? Aber was ist das anderes, als ihn zu ignorieren, wenn ich meinen Fokus bei meiner Nase halte? Gibt es einen mitfühlenden Weg für mich? Wenn ich zu dem Schmerz hingehe, werde ich meisten hineingezogen… es ist wohl wie „mitleiden“, anstatt den Schmerz mitfühlend zu halten – aber wie geht das mitfühlende Halten? gibt‘s das überhaupt?

 

Bisher muss ich jedenfalls vier bis fünf Mal in einer Stunde die Position zu wechseln – möchte mich nicht quälen und so überfordern…

 

Jetzt ist der 3. Tag und es gongt zum Mittagessen (11:00 Uhr)…

 

Heute ist der 4. Tag – es ist 12:00 Uhr… bis 13:00 Uhr ist Pause, dann selbständiges Meditieren bis zum Beginn der gemeinsamen Meditation um 14:30 Uhr…

 

Gestern bei der gemeinsamen Meditation um 14:30 Uhr hatte ich zum ersten Mal richtig bequeme im Schneidersitz mit nur einem Kissen gesessen – meine Sehnen scheinen sich eingewöhnt und Vertrauen gefasst zu haben – vielleicht hab aber auch ich vertrauen gefasst und dadurch weniger Widerstand – jedenfalls spüre ich große Dankbarkeit, diese stabile Sitzposition erleben zu können… Es geht zwar noch nicht lange und dann kommen und gehen die Schmerzen wieder, aber ich schaffe die Stunde Meditation mit nur 2 Positionsänderungen…

 

Den Gong um 18:00 Uhr hatte ich dann irgendwie falsch zugeordnet… Um 18:01 fällt mir auf, dass ja gerade die gemeinsame Meditation in der Halle beginnt – ich schnell anziehen und gehe in dem Moment aus meinem Zimmer, als der Kursmentor bei mir klopfen will… naja, dadurch kann ich wenigstens bei den anderen meditieren (hätte ich mich wohl sonst nicht mehr getraut)…

 

Abendvortrag um 19 Uhr: Goenka erzählt über Video davon, dass es bei der Vipassana-Meditation darum geht, den Fokus auf den Körperempfindungen halten zu können und dass das mit dem „Atem in der Nase spüren“ und dann das mit dem „alle Empfindungen auf und unter der Nase spüren“ - und schließlich das mit dem „alle Empfindungen unterhalb der Nase spüren, da wo der Bart wächst“ nur Vorübungen dafür sind – WOW – ich bin überrascht!… es gibt tatsächlich Parallelen zur Transformationspraxis!…

 

Nach dem Abendvortrag kurze Pause und dann noch gemeinsames Meditieren bis 21:00 Uhr… um 21:30 Uhr bin ich schon im Bett…

 

Heute ist der 5. Tag – es ist 4:45 Uhr – ich bin erst 4:20 Uhr aufgestanden (der Gong ist um 4:00 Uhr)…

 

Gestern, am 4. Tag, hab ich einen Berg bestiegen! Jedenfalls hab ich mich so gefühlt! Das war wirklich Arbeit für mich: der Gong zum gemeinsamen Meditieren war nicht für 14:30, sondern schon eine halbe Stunde früher – Unklarheit – es war aber schließlich OK für mich…

 

„staaarrt-ageeeen… staaarrt-ageeeen…“ kommt es aus den Lautsprechern – eine Stunde meditieren – ich schaffe es wieder mit nur zwei Positionsänderungen… kurze Pause und dann die Einweisung ins Vipassana: ab jetzt geht es darum, den Fokus der Aufmerksamkeit über den Körper wandern zu lassen – die Reihenfolge ist egal, aber es soll eine Reihenfolge sein, damit kein Bereich vergessen wird: starte bei der Fontanelle – spüre über den Schädel – dann spüre Schritt für Schritt über das Gesicht – als nächstes spüre vom Nacken beginnend den hinteren Bereich des Körpers bis zum Gesäß – dann angefangen vom Kehlkopf über den vorderen Bereich des Körpers hinunter bis zum Unterleib – dann die rechte Schulter und langsam den Arm hinunter bis zu den Fingerspitzen – dann dasselbe beim linken Arm – schließlich der rechte Oberschenkel und das Bein langsam hinunter bis zu den Zehenspitzen – und das linke Bein genauso bis zu den Zehenspitzen… Und gleich wieder von vorne… Immer wieder auf diesem Weg über den Körper spüren…

 

Wenn in einem Bereich nichts gespürt wird, sollen wir eine Minute dort verweilen und dann weitergehen, egal ob wir etwas spüren – so soll die Empfindsamkeit geübt werden…

 

Die Einweisung dauert lange – wohl 45 Minuten – und dann sollen wir es schon anwenden: wir sollen 1 Stunde gemeinsam auf diese Art meditieren und zusätzlich den Entschluss fassen, unsere Position nicht zu verändern! Und das nachdem ich schon dachte, ich müsse mich gleich bewegen, weil meine Beine angefangen haben zu schmerzen! Und ich hab es geschafft! Es ist interessant: wenn die Beine weh tun und ich meine Aufmerksamkeit über sie wandern lasse und alles spüre, was ich eben spüre – auch das Angenehme, das ja auch in manchen Bereichen zu spüren ist, beruhigt sich der Schmerz meistens… wenn ich in einem anderen Bereich meines Körpers bin und der Schmerz in den Beinen schwillt grade wieder an, ist es anstrengend, die Aufmerksamkeit zu halten, oder besser: immer wieder dahin zurückzuholen, wo ich gerade bin… und dann komme ich zu der Stelle, wo der Schmerz im Bein ist und gehe weiter… ich glaube in einer Stunde mache ich das 20 Mal… es war sehr, sehr anstrengend – und schließlich kam das erlösende „teeig-ressssd… teeig-ressssd…“ Goenka's…

 

Meine Beine taten danach so weh, als hätte ich eine Halbmarathon hinter mir… und: ich habe es tatsächlich geschafft, nach schon anstrengenden 1,5 Stunden mit mehreren Positionswechsel, meine Sitzposition 1 Stunde lang nicht zu verändern! Ohne dass mein Geist mit dem über-den-Körper-Spüren etwas „zu tun“ gehabt hat, hätte ich das wohl nicht geschafft – der Schmerz hätte mich zermürbt…

 

Was auch interessant war: wenn die Beine sehr geschmerzt hatten und ich danach wieder zum höchsten Punkt meines Kopfes kam, war das wie ein „Auftauchen“… es war erleichternd und ich hätte gerne dort verweilt… das Angenehme vorziehen – immer wieder…

 

Jetzt ist es 5:30 Uhr… ich bin gespannt wie es meinen Beinen heute gehen wird… Ab jetzt sollen wir ja bei allen gemeinsamen Meditationen anstreben, uns die ganze Stunde nicht zu bewegen…

 

Jetzt ist es 10:30 Uhr – heute morgen bin ich um 6:30 Uhr zum Frühstück gegangen: Porridge mit warmem Rosinen-Pflaumenkompott, Haferflocken mit Sojamilch und etwas Sonnenblumen- und Sesamkernen, sowie Hefeflocken, schließlich noch zwei Brote mit Thamin und Marmelade und einen Nescafé mit Sojamilch – das ist im Moment mein Standardfrühstück – etwas zu viel ist es und ich hoffe, ich kann meinen Appetit hier noch zähmen ;-)…

 

Nach dem Frühstück hab ich noch eine halbe Stunde geschlafen und bin um 8:00 Uhr in der gemeinsamen Meditation gesessen: eine Stunde mit der Aufmerksamkeit über den Körper wandern… Es fällt mir schwerer mich im Halbyoga einzurichten – besonders an den Seiten der Hüften und zum Oberschenkel hinunter tut es weh – fühlt sich an wie Muskelkater…

 

Also eine Stunde meditieren ohne die Position zu verändern – ich nehme mir vor, 20 Mal mit meiner Aufmerksamkeit über den Körper zu wandern… Irgendwann beim siebten Mal fingen die Beine an einzuschlafen – und nach dem 10. Mal hab ich‘s nicht mehr ausgehalten: Beine aufstellen und das Blut zirkulieren lassen… Danach ging es recht gut weiter – nach dem 16. Mal fing Goenka wieder an zu chanten: das Zeichen, dass die Zeit zu Ende geht… Kurze Pause und wieder in der Meditationshalle zusammenkommen: Goenka gibt erneut die Einweisung, wie wir die Aufmerksamkeit über den Körper wandern lassen sollen… Annitsha… Annitsha… Denkt an die Vergänglichkeit aller Erscheinung… Ich frage mich wo das Mitgefühl Platz hat? Ich sehe schon die Gefahr mich in dem Schmerz zu verfangen und damit ins Leiden zu geraten – aber ist „Gleichmut“, „objektives Wahrnehmen“ das Beste? Verleitet es nicht auf der anderen Seite zur Verhärtung? Ich bin sehr gespannt auf meine Erfahrungen…

 

Nach der Einweisung Goenka's sollen die „neuen, männlichen Schüler“ dableiben – der Meditationslehrer fragt jeden einzelnen, was er beim „spürenden über den Körper Wandern“ für Empfindungen hat – ich sage: „meistens ein Vibrieren“… Er fragt auch, ob wir es schaffen, eine Stunde zu sitzen ohne die Position zu verändern – ich: „gestern schon – ich war überrascht, weil ich normalerweise 2-3 Mal die Position verändern muss; heute Morgen nicht, ich musste vorher einmal die Position verändern“ – er: „quälen Sie sich nicht, wenn es gar nicht anders geht: verändern Sie die Position!“… Wir meditieren noch 5 Minuten mit dem Meditationslehrer und können dann gehen… Ich meditiere noch 5 Minuten auf meinem Platz, gehe dann aber raus… Die Muskeln in meinem Oberschenkel schmerzen…

 

Es 10:45 Uhr am 5. Tag… Ich ruhe mich jetzt noch etwas aus vor dem Mittagessen um 11:30 Uhr…

 

… natürlich war das Mittagessen schon um 11:00 Uhr – ich hatte mich wieder mit den Zeiten vertan – aber der Gong ist unüberhörbar…

 

Es ist erstaunlich wie ich mich gerade in meinem Körper fühle – so leicht und entspannt… Es erinnert ein wenig an das Gefühl nach dem Rauchen von Gras… Sollte das jetzt schon eine Folge des Meditierens sein? Ich genieße es jedenfalls… heute ist der erste Tag ohne Sonne – und trotzdem genieße ich es so sehr hier zu sein und durch die verschneite Natur zu wandern… ein kleiner Wald liegt direkt vor meinem Zimmer und dort sind schmale Wege durch den Schnee geräumt – das lädt ein zum wandern… der Bereich in dem wir bleiben sollen ist zwar nicht groß, aber für mich groß genug, die verschneite Natur genießen zu können… ich fühle mich immer wieder sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit habe, hier zu sein und dass es so etwas wie hier überhaupt gibt…

 

Wie wäre es, Vipassana mit der Gewaltfreien Kommunikation zu verbinden? Vipassana als Praxis für Gleichmut und Selbstdisziplin und die GFK als Praxis der mitfühlenden Kommunikation mit sich und anderen…

 

Ich hab mich für 12:00 Uhr eingetragen für ein Interview mit dem Meditationslehrer – los geht‘s…

 

Es ist 21:15 Uhr – die letzte Meditation ist gerade zuende gegangen – ab jetzt lautet die Meditationsanweisung: „from the top of your head to the tip of your toes – from the tip of your toes to the top of your head…“…

 

die 14:30 Uhr-Meditation hab ich durchgehalten ohne Positionswechsel – die 18:00 Uhr-Meditation nicht ganz: ich war so „schlau“ die Durchgänge beim Köperspüren vom Höchsten Punkt des Kopfes bis zu den Zehenspitzen zu zählen – am Nachmittag kam ich bis 17 – aber am Abend hab ich bei 22 aufgegeben – es wären wohl 25 geworden: ich muss schneller gewesen sein… ich hab eine neue Anhaftung erzeugt: nur 20 Durchgänge muss ich schaffen! Die Übung lässt sich wohl nicht überlisten – sie muss geübt werden, und das bedeutet unweigerlich Anstrengung – oder vielleicht genauer: über die Anstrengung hinweg zu kommen? Aber auch das ist wohl erstmal anstrengend…

 

Im Abendvortrag um 19:15 ging es um die Wurzel des Leidens: unsere Reaktion auf Empfindungen… Die Empfindungen werden erzeugt durch die Bewertungen dessen was die 6 Sinne erfassen – da setzt die GFK an… Vipassana setzt an der Reaktion auf diese Empfindungen an - mir scheint, das ist eine wertvolle Ergänzung – den Schmerz „genießen“ - auch den körperlichen! Es erinnert mich an meine Erfahrungen mit kaltem Wasser und mit Verbrennung: gleichmütiges annehmen der Empfindungen… Ich bin sehr gespannt!

 

21:30 Uhr am 5.Tag: ich bin sehr müde und meine Beinmuskeln schmerzen… schlafen…

 

Es ist 5:30 Uhr am 6. Tag. Ich bin erst um 5:10 Uhr aufgestanden und hab geduscht… Warum sollte ich es schaffen, um 4:00 Uhr aufzustehen? Weil ich mich gerne dem vorgegebenen Rhythmus anpassen würde; mich an die Struktur halten und mich von ihr tragen lassen möchte; dazugehören möchte… gleichzeitig bin ich mir nicht sicher, ob sie für mich gerade passt; hab den (vielleicht vom Schlafen-wollen verzerrten) Eindruck, ich bräuchte mehr Schlaf, müsste sanfter mit meinem Körper umgehen…

 

Gegensätzlich erscheinende Impulse: der erste möchte dazugehören und mit dem mitgehen, was ist… der zweite möchte Vertrauen können, dass meine Bedürfnisse (nicht zuletzt von mir!) geachtet werden und dass es für mich passt…

 

Gestern, am 30.01.2017 ist Isolde Teschner überraschend gestorben – im Schlaf – wohl bei unserem Aufweckgong… später erfahre ich, dass sie schon eine Woche zur Beobachtung im Krankenhaus lag und es keinen Hinweis gab, dass sie sterben werde…

 

Ich hab überlegt, ob ich etwas im Forum schreiben soll – aber mit welcher Motivation? Wenn‘s darum geht, gesehen zu werden und Anerkennung zu bekommen: „Ich habe sie im Dezember noch besucht und weiß etwas über sie!“, dann fühl ich mich nicht gut damit – und dieses Motiv ist wohl immer auch mit hineingemischt…

 

Isolde… ich erinnere mich, wie ich sie letztes Jahr einmal fragte, ob sie Angst vor dem Tod hätte: „Angst vor dem Tod nicht, aber vor Schmerzen!“ sagte sie… Sie trauerte sehr um ihre Tochter Adrienne, die vor drei Jahren an Krebs gestorben ist und ich fragte sie kürzlich, ob sie jemanden hätte, mit dem sie darüber reden kann – sie sagte: „das will doch keiner mehr hören!“…

 

Ich glaube Isolde hatte ein erfüllteres Leben als die meisten in unserer Gesellschaft – und doch: fehlte ihr nicht auch immer wieder Gemeinschaft? Vermisste sie nicht auch das „unter Freunden sein“? Sie hatte Hausgenossen und immer wieder auch Gäste wie mich und sie viele Kontakte und traf wohl immer wieder auch Freunde bei Vorträgen und sonstigen Veranstaltungen – und doch…

 

Wie möchte ich alt werden? Wie wäre es, im Alter ein „Dorf“ zu haben, in das ich eingebunden bin? Eine Gemeinschaft, in der ich einen Platz habe und beitragen kann und in der ich mich wohl fühle, in der ich mich wirklich „unter Freunden fühle“?…

 

Es ist 10:30 Uhr am 6. Tag. In der gemeinsamen Morgenmeditation von 8 - 9 Uhr ist es mir nicht gelungen, bis zum Schluss die Position zu halten, ohne in den Widerstand und damit ins Leiden zu fallen – ich hab bei etwa 50 Minuten abgebrochen… der Schmerz kann mich noch „zermürben“, d.h. es wird für mich anstrengend, den Fokus auf dem „über den Körper Spüren“ zu halten – das ist im Grunde Widerstand, und es fühlt sich auch danach an – im Grunde ist ja genau das das Anstrengende…

 

Was heißt es, dem Schmerz mit „ausgeglichenem Geist“ zu begegnen? Ich bekomme eine Ahnung und ich möchte damit experimentieren, schmerzhafte Empfindungen bewusst „willkommen zu heißen“; ihnen bewusst mit Freundlichkeit zu begegnen – aber das sind nur Worte, die schwierig sind ins Erleben zu bringen: ich möchte allem, auch Schmerz, wenn er auftaucht, freundlich begegnen – ist das eine Falle? Vielleicht eine Frage für den Meditationslehrer…

 

Ich gehe raus – es schneit – ich genieße es sehr, meinen Körper zu bewegen - und ich genieße den Schnee in der verschneiten Landschaft… Frieden…

 

Nach der Morgenmeditation wie immer eine kurze Pause und wieder zusammenkommen – Goenka redet dann wieder etwas über das Vorgehen: „wich a kaaam mind from t-he top of t-he heed to t-he tip of t-he touus – from t-he tip of t-he touus to t-he top of t-he heed…“ Er gibt den „old students“ Tipps… dann stellt der Meditationslehrer es alle außer den „old students“ frei, zu bleiben oder auf dem Zimmer zu arbeiten…

 

Ich bleibe noch ein paar Minuten und gehe dann… Ich laufe durch das kleine Waldstück und eine große Runde über die Lichtung… ich spüre meinen Körper mehr als sonst… ich spüre wie meine Hosen über meine Beine streichen… ich spüre den Schmerz in meinen Oberschenkeln… den Schmerz in meiner Hüfte… eine Anspannung im Solarplexus… alles ist ok, wo wie es ist und ich bin damit verbunden… ein angenehmes „Körpererleben“, wenn ich es objektivistisch beschreiben soll – aber wie beschreibe ich mein Erleben? Vielleicht so: wenn ich gehe, spüre ich einen harmonischen Fluss der Bewegung – ich spüre alles von Schmerz bis Anspannung bis streicheln – und es ist alles willkommen…

 

Es ist 10:45 Uhr und gleich gibt es Mittagessen…

 

Eben war die gemeinsame Nachmittagsmeditation – es ist 16:00… Diesmal konnte ich die eine Stunde ohne Positionswechsel sitzen – es war anstrengend und es war OK – irgendwie verhärtet mein ganzer Körper beim Sitzen ganz langsam (ich merke es vor allem an den Fingern) und es wird anstrengend, meinen Fokus zuhalten, d.h. mit meiner Aufmerksamkeit über den Körper zu spüren, „from t-he top of yuur heed to t-he tip of yuur touus – from t-he tip of yuur touus to t-he top of yuur heed…“… schließlich musste ich ein Limit setzen, um mich für‘s dranbleiben zu motivieren: als ich gerade bei den linken Zehenspitzen war sagte ich mir: „noch 2 Durchgänge, dann ändere ich die Position…“ als ich das zweite Mal wieder beim höchsten Punkt des Kopfes anfing, fing Goenka an zu singen – und als ich wieder zurück am höchsten Punkt war, war die Meditation vorbei… Und natürlich konnte ich jetzt auch noch bis zu den Anweisungen des Meditationslehrers sitzen bleiben: „take a short brake and then come back to the hall“ sagte er…

 

Ich ging zur Lichtung und lockerte meine Muskeln… es geht recht gut, ich denke es ist gut, dass ich es vermeide, während der Einzelmeditation zu meditieren… manchmal meditiere ich zwar im Liegen und ich denke, ich sollte das regelmäßig tun während der Zeit hier, aber es ist nicht leicht, nicht wegzudämmern…

 

Als wir wieder in der Halle waren, meditierten wir noch eine Weile, während Goenka noch Hinweise gab… dann stellte der Meditationslehrer es allen, bis auf den „old female students“, frei, zu gehen und auf ihren Zimmern weiter zu arbeiten…

 

Meinen Knien und Oberschenkeln, sowie meinem unteren Rücken (bisher die schmerzhaften Stellen) geht es recht gut, auch wenn ich dort immer wieder leichte Schmerzen spüre…

 

Jetzt ist es 16:25 Uhr und ich werde noch 30 Minuten im Liegen meditieren…

 

Es ist 21:20 Uhr und ich bin erschöpft… meine Beine und Knie sind müde…

 

Heute Nachmittag beim liegend meditieren bin ich doch weggedöst – es ist schwerer, den Körper spürend zu überwandern, als im Sitzen – und noch schwerer ist es, sich nicht von Gedanken mitnehmen zu lassen…

 

Bei der Abendmeditation um 18:00 Uhr musste ich schon früh – wohl nach der Hälfte die Position wechseln – und fast am Schluss auch nochmal – Erschöpfung und Muskelkater und Knieschmerzen kamen zusammen…

 

Der Vortrag um 19:15 Uhr war wie immer unterhaltsam, aber nicht so interessant für mich… für mich war es schwer die ganze Stunde zu sitzen – obwohl ich immer wieder die Position gewechselt hab – oder vielleicht gerade deswegen?…

 

Danach Pause und um 20:30 noch eine halbe Stunde meditieren – diesmal sollten wir versuchen, mehrere Bereiche gleichzeitig spürend zu überstreichen – ich habe den Kopf ganz abgetastet und bin dann runter zu Hals und Nacken und über Brust und Rücken weiter nach unten gegangen – dann beide Arme gleichzeitig bis zu den Fingerspitzen und schließlich beide Füße gleichzeitig bis zu den Zehenspitzen… Bauch und Rücken gleichzeitig war schwierig – und beide Beine noch schwieriger… mit dem Kopf und auch mit den Armen ging es recht gut…

 

Jetzt ist es 21:30 Uhr… ausruhen und erholen…

 

Es ist 10:00 Uhr am 7. Tag – eben wurden die „new male studens“, nach dem kurzen Vortrag von Goenka befragt – also auch ich… Goenka hält immer nach der Morgenmeditation einen kurzen Vortrag, in dem er auf verschiedene Probleme hinweist, die auftauchen können – heute ging es vor allem um‘s Vergleichen: zum einen macht es keinen Sinn, weil es nicht zwei Menschen mit derselben Menge und derselben Qualität an „Sankhas“ gibt (ich verstehe es als: mit derselben Menge und Qualität an prägenden Erfahrungen) – und deshalb jeder woanders ist und andere Erfahrungen machen muss… zum anderen macht es keinen Sinn, weil wir damit automatisch ins Bewerten fallen und damit wieder unsere eigenen Erfahrungen bewerten – und wieder neue Anhaftungen und Abneigungen produzieren – und damit neues Leiden… selbst eigene vergangene Erfahrungen mit aktuellen Erfahrungen vergleichen ist deshalb eine Quelle für neues Leiden…

 

Heute bin ich um 4:30 Uhr aufgestanden, hab geduscht und einen Spaziergang durch den dunklen verschneiten Wald gemacht… dann hab ich nach meinen Mails gesehen und eine von meiner Cousine gefunden – ich hatte sie gefragt, ob sie Lust auf meinen Besuch nächsten Sonntag hätte: Sie schreibt, sie sei irritiert und möchte nicht dass ich komme… Mein erster Gedanke wie üblich, wenn ich etwas als „Ablehnung“ interpretiere: „was hab ich falsch gemacht?“… bin jedenfalls neugierig, was gerade bei ihr los ist… schade jedenfalls, ich wäre gerne wieder mit ihr und den anderen dort in Kontakt gekommen… ich werde ihr wohl morgen früh antworten…

 

Die Antwort war jedenfalls eine Herausforderung für mich und ich hab bis zum Frühstück geruht – kaum geschlafen… beim Frühstück hab ich heute weniger gegessen als sonst – und wohl immer noch etwas zu viel… ich saß heute auf einem Stuhl, der mich wie eine Schale gehalten hat – ein überraschendes und angenehmes Gefühl nach Geborgensein… nach dem Frühstück noch eine halbe Stunde geschlafen…

 

Um 8:00 Uhr die Morgenmeditation… Heute hab ich die Position vielleicht 45 Minuten halten können – mein linker Fuß hat ziemlich lange geschlafen und er hat‘s mit nicht übel genommen, ist wieder aufgewacht ohne große Schmerzen… ich möchte keinen Wettkampf um die Dauer beginnen, wie lange ich die Position halten kann – das wäre eine neue Anhaftung, die Leid erzeugt – es geht schließlich ausschließlich darum, die Technik immer wieder zu üben – und damit verbessert sich automatisch die Übung und damit das „Sein-können“ mit dem Unangenehmen; das „Willkommen-heißen-können“ jeglicher Erfahrung – und damit vergrößert sich die Freiheit von dem Automatismus meiner Reaktivität – und damit von meinem selbsterzeugten Leiden…

 

Ich bin davon überzeugt, dass die GFK hier zusätzlich wichtige Unterstützung ist – insbesondere im Zwischenmenschlichen, aber auch bei der „Schattenarbeit“ – Vipassana kann sicherlich einige „Sankhas“ (= Traumata) auflösen, aber ich glaube es braucht noch eine Unterstützung wie Roberts GFK-Transformationspraxis – zumindest erleichtert sie die Sache…

 

Beim Wandern der Aufmerksamkeit über den Körper scheint es keine Lösung zu sein, den unangenehmen Empfindungen mit Freundlichkeit oder einem Lächeln zu begegnen… Ich versuche ja immer noch eine Alternative zu dem was Goenka sagt, zu finden: eine Alternative zu „equinimity“, Gleichmut – weil ich da die Gefahr sehe gegenüber den unangenehmen Empfindungen „hart“ zu werden – aber vielleicht ist diese Befürchtung unberechtigt, weil das „Verhärten“ eher dazu führt, dass wir die entsprechenden Empfindungen ignorieren – und davor schützt die Technik eigentlich… ich möchte trotzdem damit experimentieren, den unangenehmen Empfindungen mit „Neugier“ zu begegnen – das kenne ich ja schon aus der GFK als Indiz für die empathische Haltung und ich bin gespannt, wie es hier wirkt…

 

Jetzt ist es 10:40 Uhr und ich ruhe meine Beine noch ein wenig aus…

 

Der 8. Tag hat begonnen – es ist 6:00 Uhr

Ich bin spät aufgestanden – hätte leicht um 4:00 Uhr aufstehen können – bin es aber nicht, sondern hab mich stattdessen bis 5:30 von einem Alarm zum anderen gehangelt – scheint mir wenig sinnvoll… nach dem Duschen bin ich dann noch eine Runde im dunklen, verschneiten Wald gewandert…

 

Gestern in der Nachmittagsmeditation ging es schon recht gut mit dem Spüren aller Körperteile „from t-he heed to t-he fiitt and from t-he fiitt to t-he heed“: einmal so viel wie möglich vom Kopf zu den Füßen und dann wieder zum Kopf und dann wieder jedes einzelne Körperteil von oben nach unten und wieder nach oben: den Schädel – das Gesicht – vom Kehlkopf aus die Vorderseite – vom Nacken aus die Rückseite – den rechten Arm von der Schulter aus – den linken Arm – das rechte bein von der Hüfte aus – das linke Bein – und dann wieder rückwärts nach oben… Ich musste meine Position einmal verändern – und auch in der Abendmeditation musste ich das…

 

Am Ende des Tages war ich diesmal nicht so erschöpft wie die anderen Tage… Jetzt ist es 6:10 Uhr und ich möchte noch meiner Cousine schreiben…

 

Es ist 10:00 Uhr am 8.Tag… die Morgenmeditation war OK – ich komme gut mit einer Positionsänderung durch und bin am Schluß noch gut im Gleichmut verankert – sehr angenehm… Ich habe im Moment nicht den Ehrgeiz, es ohne Positionsänderung „zu schaffen“ – es ist wie es im Moment ist und es wird nicht so bleiben - „Annitsha… Annitsha… “, alles verändert sich, alles kommt und geht…

 

Naja, wenn ich mir vorstellen würde, es würde wieder so anstrengend und schmerzhaft wie am Anfang, dann hätte mein Gleichmut wohl auch sein Ende (ist doch immer weiter ausbaufähig! ;-)

 

Ich merke wie ich mit dem „fließen über den Körper“ mit meiner Aufmerksamkeit nicht nur in den Beinen Schwierigkeiten habe, wenn dort die Anspannungen stark sind und Schmerzen da sind, sondern auch in meinem Rücken: besonders der obere Rücken, etwa vom Nabelchakra aufwärts, ist für mich im Moment schwer zu spüren. Dort ist es noch ziemlich taub… Vielleicht genieße ich es deshalb so dort berührt zu werden?… Jedenfalls gehe ich inzwischen beim Rücken ebenso vor wie bei den verhärteten, schmerzhaften Bereichen: langsam und detailliert hinein spüren…

 

Bei den Armen geht es mit dem „Fließen“ bisher immer am leichtesten: es ist wie eine leichte Welle der Vibration, die spürbar wird, wenn ich mit der Aufmerksamkeit darüber „fließe“, fast wie ein leises Streicheln…

 

Mit dem Schmerz ist es interessant: mir wurde bewusst, dass es eine Intensität gibt, die meine Aufmerksamkeit wie „zurückschrecken“ lässt – dann wird es schwierig – es braucht dann etwas Überwindung, beim Schmerz zu bleiben und ihn detailliert im Körper zu spüren… aber auch dann ist es so: wenn ich den Schmerz detailliert im Körper spüre, beruhigt sich dort etwas… der Schmerz wird erträglich und verschwindet oft sogar ganz… ich erinnere mich an meine Erfahrungen mit Verbrennungen: wenn ich lauwarmes Wasser drüber laufen ließ, war das erst einmal schmerzhafter, aber es wurde schnell erträglicher – ich vermute weil mir das half, meine Aufmerksamkeit im Schmerz zu halten…

 

Das macht mich neugierig: brauche ich denn überhaupt warmes Wasser? Würde die Aufmerksamkeit alleine nicht reichen, wenn ich sie dort halten könnte? Wäre der heilsame Effekt (keine Blasenbildung) auch dann gegeben, wenn ich meine Aufmerksamkeit für 10 Minuten auf der schmerzenden Stelle halten könnte – und zwar halten mit Gleichmut?

 

Dieses „den Körper gleichmütig und bis ins subtilste Detail zu spüren“, scheint auch viel Heilungspotential zu haben!? Schließlich ist Goenka selbst auf der Suche nach Befreiung von seinen Migräneanfällen zu Vipassana gekommen! Ich bin sehr gespannt!

 

Ich hab gelesen, dass es eine Vipassana-Richtung gibt, die die Empfindungen benennt, d.h. wohl man ordnet sie beim spüren verschiedenen „Typen“ zu? Könnte hilfreich sein, den Geist sinnvoll zu beschäftigen!… Das MBSR von Jon Kapzin ist eine Variation des Vipassana, die das Fließen mit dem Benennen verbindet (und zusätzlich wohl auch Erkenntnisse aus der Psychologie nutzt) – eigenartig es als „Entspannungspraxis“ zu bezeichnen – das ist doch nur die geringste der Wirkungen!… wie viele Psychologen das MBSR wohl selbst erfahren lernen? Ich vermute, die nehmen sich dafür keine Zeit…

 

Nach der Meditation Pause und dann noch der Kurzvortag von Goenka zu Auffrischung und um auf Probleme hinzuweisen… danach wurden wieder die „new students“ einzeln befragt: „Do you manage the free flow?“; „How about equinimity?“…

 

Jetzt ist es 10:30 Uhr und ich werde gleich bis zum Mittagessen meine Beine und meinen Rücken noch etwas ausruhen…

 

Es ist 12:20 Uhr und ich hatte gerade ein Interview mit dem Meditationslehrer – er wollte mir nicht sagen wie lange er selbst schon meditiert – solche Fragen sind hier wohl nicht üblich… auf meine Frage der Vergleichbarkeit meiner Erfahrungen mit dem Umgang mit Verbrennungen und der gleichmütigen, „objektiven“ Beobachtung von Schmerzen z.B. in den Beinen (für mich fühlt es sich sehr ähnlich an), meinte er, es sei etwas anderes – und auf meine Frage nach dem Heilungspotential sprach nur von den „Sankhas“ die aufgelöst würden und das sei das heilende… ich vermute er hat in dieser Hinsicht keine eigene Erfahrungen…

 

Es ist 16:30 Uhr und ich habe gerade eine Mail an den Untermieter von Isolde geschickt – auch um zu erfahren, ob ich noch dort wohnen kann… delikate Angelegenheit – ich hoffe ich hab den richtigen Ton getroffen…

 

In der Nachmittagsmeditation hatte ich wieder einmal die Position verändert – recht kurz vor Schluss… es wird bequemer mit der Übung…

 

Danach einen kleinen Spaziergang zur Auflockerung und ich hab versucht, den „free flow“, das „Durch-spüren“ des Körpers von oben nach unten und von unten nach oben während des Gehens zu üben – es ging überraschend gut! Es fühlt sich angenehm an – man könnte wirklich auch daran anhaften – und Goenka warnt immer wieder genau davor! :-)

 

Goenka hat einmal auch über „working meditation“ und „walking meditation“ gesprochen und es als wertvoll eingeschätzt, aber nur, wenn es mit dem Körper-spüren zusammenkommt – ohne Körpererleben sieht er keinen großen Wert…

 

Gleich gibt's „Abendtrunk“ (zu Essen gibt es ja höchstens Obst und die alten Schüler sollen auch das nach 12 Uhr nicht mehr zu sich nehmen ;-)

 

Es ist 21:21 Uhr am 8. Tag und ich komme gerade von einem kleinen Nachtspaziergang durch den verschneiten Wald…

 

Die Abendmeditation ging besser denn je – ich bin immer zweimal von oben nach unten und wieder nach oben mit meiner Aufmerksamkeit über den Körper geflossen („fließen“ beschreibt am besten die leibhaftige Erfahrung) – und dann zweimal die Bereiche einzeln: von der Spitze des Kopfes über die Schädeldecke – von der Stirn über das Gesicht – vom Kehlkopf über den vorderen Rumpf bis zum Wurzelchakra – vom Nacken über den Rücken bis zum Gesäß – von der rechten Schulter nach unten bis zu den Fingerspitzen – von der linken Schulter nach unten bis zu den Fingerspitzen – von der rechten Hüfte den Oberschenkel nach unten über das Knie bis zum rechten Fuß und in die Fußspitzen – von der linken Hüfte den Oberschenkel nach unten über das Knie bis zum linken Fuß und in die Fußspitzen – und das ganze wieder rückwärts… zweimal den gesamten Körper und zweimal die einzelnen Bereiche, und wieder von vorne…

 

Diesmal konnte ich sogar zum ersten Mal das Fließen in meinen Oberschenkeln spüren, während diese schon sehr angespannt waren und geschmerzt hatten! Ich habe fast bis zum Schluss meine Position halten können – und das obwohl die Oberschenkel und die Hüfte schon recht früh geschmerzt hatten! Meine Schmerztoleranz scheint zu steigen – und die Meditation war diesmal auch merklich weniger anstrengend! Beides gehört ja auch zusammen: der Schmerz führt unmerklich zu Anspannungen und die machen es anstrengend…

 

Der Abendvortrag war ein WOW und ich kann nicht mal genau sagen warum… Vor allem hab ich wirklich gespürt, dass Vipassana ein Schatz für die GFK ist, den ich nutzen möchte! Auch umgekehrt scheint es mir zu stimmen: die GFK ist ein Schatz für das Vipassana, der die Gemeinschaft erheblich unterstützen dürfte! Und ich gehe davon aus, dass es viele gibt, die das schon erkannt haben – ich muss sie nur finden! ;-)

 

Ein neuer Slogan ist mir eingefallen: „Ist das Unangenehme wirklich die Wurzel unseres Leidens? Nein, es ist unser Umgang mit dem Unangenehmen – im Grunde unser Umgang mit unangenehmen Empfindungen!“

 

Isoldes Beerdigung wird am 8. Februar um 12 Uhr sein – ich kann also hingehen :-) Weiß noch nicht wo ich bis dahin und auch dann bis zum Sonntag übernachten kann… Ich hab aber Vertrauen, dass sich was finden wird…

 

Jetzt ist es 21:42 – ich geh schlafen…

 

Es ist der 9. Tag, 10:15 Uhr – ich bin gerade von einem kleinen Spaziergang zurückgekommen…

 

Heute morgen bin ich wieder erst spät aufgestanden (ca. 5:15 Uhr), hab geduscht und einen kleinen Spaziergang durch den Wald gemacht… hab mich dann noch 20 Minuten hingelegt und bin um 6:30 Uhr zum Frühstück… hab heute weniger gegessen, aber immer noch mehr als nötig…

 

Die Morgenmeditation war heute anders – ich konnte recht gut sitzen, d.h. die Schmerzen in Beinen und Hüfte kamen spät und waren erträglich – aber ich habe angefangen zu schütteln! Mein Körper schüttelte sich richtig und ich vermute das war auch von außen zu sehen! Es erinnerte mich an den Manager einer Raketenfabrik, über den Goenka gestern Abend erzählte… Es fühlte sich jedenfalls so an, als ob die Ursache relativ subtile Verspannungen sind…

 

In dem Kurzvortrag danach gab Goenka einen Ausblick darauf was kommt, wenn wir das „Überfließen des Körpers“ mit unserer Aufmerksamkeit schaffen und auf keine grobe oder feine Verhärtungen mehr stoßen: Dann sollen wir beginnen, bei dem spüren der einzelnen Körperteile nach dem ein bis zweimaligem „Überfließen des Körpers“, spürend ins innere des Körpers vorzudringen… dabei sollen wir uns kein Bild von den Organen machen, sondern nur spürend vorgehen… Wenn wir schließlich auch da auf keine Verhärtungen, taube Stellen o.ä. mehr stoßen, sollen wir uns zwischen dem „Überfließen des Körpers“ der Wirbelsäule zuwenden… Und wenn sich auch dort alle Verhärtungen, taube Stellen o.ä. aufgelöst haben, sind wir im Zustand des Bakāyana (o. so ähnlich)…

 

Der Zustand der Verhärtungen und der tauben Stellen birgt die Gefahr wieder Widerstand zu entwickeln – und der Zustand des „Fließens“ birgt die Gefahr wieder Anhaftung zu entwickeln… Wir sollen nicht enttäuscht sein, wenn wieder Verhärtungen auftauchen, sonst säen wir neue Samen des Leidens…

 

Gleich ist Mittagessen und ich ruhe meine Beine und Knie noch ein wenig aus – sie sind übrigens spürbar weniger müde, als noch vor ein paar Tagen! Und ich bin auch insgesamt am Ende des Tages weniger erschöpft… Nach dem Mittagessen hab ich ein Interview gewünscht…

 

Es ist 13:00 Uhr – ich komm gerade vom „Interview“: „wie geht der Fluss der Aufmerksamkeit tatsächlich: den Extremitäten entlang oder nach der Schwerkraft, wie das Bild vom „bucket of water“, das Goenka verwendet, impliziert?“ – den Extremitäten nach, hab ich verstanden… Ich fühle mich in meiner derzeitigen Praxis (2x den ganzen Körper von oben nach unten und 2x nach dem vorgestellten System (mit einer Abwandlung der Reihenfolge) die einzelnen Körperteile von oben nach unten…

 

Vorher ist mir ein Bild eingefallen, das die Wichtigkeit einer Übung wie Vipassana verdeutlichen könnte: Stell Dir vor Du bist ein Elter (Vater/Mutter) und Du hast ein kleines Kind, das gerade im Sandkasten spielt – plötzlich wird Dein Kind von einem anderen mit der Schaufel auf den Kopf gehauen – wie reagierst Du? Welchen Impuls hast Du?

 

Nachdem keine Gefahr mehr im Verzuge ist (!), gibt es je nach Interpretation der Situation zwei grundsätzliche Impulse: 1) Du hast den Impuls, das andere Kind anzuschreien, zu schütteln oder gar zu schlagen… 2) Du hast den Impuls, mit Deinem eigenen Kind zu schimpfen…

 

Wenn wir es nicht ertragen können, unser eigenes Kind im Schmerz zu sehen, werden wir wohl immer den Impuls zu einem der beiden Reaktionen in uns haben (auch wenn wir in nicht ausführen, sondern es schaffen, uns unseren Werten entsprechend zu verhalten). Nur wenn wir mit dem Schmerz unseres Kindes sein können, ohne in Aufregung zu geraten – mit Vipassana gesprochen: wenn wir mit dem Schmerz gleichmütig sein können – mit der GFK gesprochen: wenn wir mit ihm mitfühlend sein können, verschwindet dieser Impuls wohl erst…

 

Wenn man dieses Bild auf unser inneres Erleben überträgt, wäre das ähnlich: wenn da irgendwo in unserem Körper ein Schmerz oder irgendwas Unangenehmes auftaucht, hilft es nicht, gegen die Umstände zu kämpfen (das wäre wie, gegen das „andere Kind“ zu kämpfen) – und es hilft auch nicht, gegen den Schmerz oder das Unangenehme zu kämpfen (das wäre wie, das andere Kind zu beschimpfen) – es hilft im Moment nur, für den Schmerz da zu sein – nach Vipassana: gleichmütig… damit schaffen wir Vertrauen bei dem Schmerz, dass er sein darf und „gesehen“, d.h. gespürt wird…

 

Naja, bin gespannt ob dieses Bild Menschen so anspricht, wie ich mir das vorstelle ;-)…

 

Es ist 16:30 und ich komme eben von dem üblichen kleinen Spaziergang… In der Nachmittagsmeditation heute ist mir aufgefallen, was für ein Projekt Vipassana tatsächlich ist! Zum einen ist mir aufgefallen, dass ich bereits Anhaftungen an das „freie Fließen“ über den Körper entwickelt habe!!! Und zum anderen ist mir aufgefallen, an wie vielen Stellen ich noch „blind“ bin, d.h. wie viele Stellen und Bereiche ich noch nicht oder nur sehr schlecht spüren kann! Es geht darum das gleichmütig anzunehmen und einfach die „Werkzeuge“ anzuwenden: „Fließen“, wenn es möglich ist, auf den Verhärtungen oder blinden Stellen für eine Minute mit der Aufmerksamkeit ruhen, für ein paar Minuten zum Fokus unter der Nase zurückkehren, wenn die Gedanken mich weggetragen haben – und alles gleichmütig annehmen wie es ist… Am Gleichmut misst sich der Fortschritt…

 

Die Meditation lief sonst recht gut – obwohl ich von Anfang an einen Schmerz am rechten Fußrücken hatte (konnte keine bequemere Position finden), hatte ich bis etwa 3 Minuten bevor Goenka zu singen anfing, durchgehalten… auch daran soll ich nicht anhaften… ich möchte vertrauen, dass der Schmerz nachlässt, oder für mich erträglicher wird… und damit verliere ich im Grunde schon wieder den Gleichmut! Den Schmerz genauso annehmen wie das Angenehme, darum geht‘s ja – ok, und gleichzeitig möchte ich doch auch auf meinen Körper achten!? ;-)

 

Jetzt Ruhe ich erstmal noch bis zum „Abendtrunk“…

 

Es ist 5:20 am 10. und letzten ganzen Tag – ich bin um 4:45 Uhr aufgestanden und gerade von „meinem“ Morgenspaziergang zurückgekommen…

 

Beim Spaziergang ist mir folgendes aufgefallen: Manchmal berührt mich der Wald sehr – und ich suche irgendwie nach diesem Berührt-werden – und wo suche ich? Im Außen! Ich suche nach irgendwas im Außen, das mich berührt – und manchmal klappt es – aber ist es denn das „da draußen“, was mich berührt? Die Übung des Körper-spürens gibt mir die Ahnung, dass ich am falschen Ort suche! Ich sollte in mir suchen – und da kann ich wohl immer berührt sein!? Aber es ist doch auch was da draußen! Ja, ist es wohl, aber das Berührt-werden geschieht in mir und vielleicht sogar durch mich selbst!? Gedanken… Jedenfalls geht es vor allem um‘s Körperliche Erleben – oder besser wie Herman Schmitz sagt: ums leibhaftige Erleben…

 

Gestern habe ich nicht‘s mehr gegessen nach 12 Uhr und ich vermisse nichts – ein wenig überraschend für mich… und auch überraschend, dass es mich überrascht...

 

Die Abendmeditation war deshalb besonders anstrengend, weil mir das Körper-spüren wieder schwerer viel. Wenn ich die Aufmerksamkeit von oben nach unten durch meinen Körper fließen lasse, jeden Körperteil mit einschließend, dann fühlt sich das an wie eine Welle des Berührt-werdens… am Kopf „funktioniert“ es bisher am Besten – vom Hals zur Brust ist es oft schwierig zu spüren… es ist interessant wie diese Welle gleichzeitig durch meine Hüften und meine Hände fließt, obwohl die in der Meditation recht weit voneinander weg liegen… Nach oben ist es im Rumpf schwierig – es ist wie eine Anstrengung, die Geduld zu haben, mit der Aufmerksamkeit auf der Ebene einschließlich der Arme zu bleiben – irgendwann wandert die Welle dann nach oben und ist zu spüren… Wenn ich aufwärts über den Kopf wandere, fühlt es sich oft so an als ob ein Strumpf nach oben aufgerollt wird – irgendwie muss ich mich auch etwas anstrengen dabei… Ich glaube, die Anstrengung ist ein Zeichen dafür, dass ich in die Anhaftung falle (warum wäre es sonst auch anstrengend?)…

 

In dem Vortrag nach der Abendmeditation ging es auch um die Tradition des Dana, der Spenden: ein Grund warum kein Geld – auch nicht für Unterkunft und Essen – verlangt werden soll ist, dass die Teilnehmer sich wie Mönche und Nonnen fühlen sollen, sie sollen alles als Gabe sehen und nicht als „gerechter Austausch“ für ihr Geld – das hilft die Illusion des „Ich“ und des „Mein“ zu schwächen und man kommt nicht so leicht auf die Idee, Dinge (z.B. Essen) zu fordern – beides fördert die Praxis… auch soll der Gedanke, „andere haben mir dies durch ihre Spenden ermöglicht“, die Ernsthaftigkeit fördern… ich finde das interessant und möchte es für meine Telefongruppen übernehmen: wer kostenlos teilnehmen möchte, muss sich verpflichten, eine bestimmte Zeit zu investieren…

 

Der Vortrag war für mich diesmal „nicht so interessant“ – ich vermute zum Teil auch deshalb, weil mir das Thema Geld etwas unangenehm ist… bei den Vorträgen (sie gehen ja immer ungeführ eine Stunde) war es meist etwas schwieriger mit dem Sitzen, obwohl wir unsere Position wechseln können – gestern war es wieder besonders unangenehm und mir ist aufgefallen, dass es deshalb besonders schwer wurde, weil ich den unangenehmen Gefühlen in den Beinen ausweichen wollte, weil ich sie weghaben wollte – als ich dann wie bei der Meditation hingespürt habe und nicht sofort die Position gewechselt habe, wurde es erheblich leichter – aber es erfordert Aufmerksamkeit und diese Aufmerksamkeit ist so etwas wie eine anstrengungslose Anstrengung, die ich nicht immer aufbringen kann… eine anstrengungslose Anstrenung – das trifft es wohl ganz gut! Wenn meine Aufmerksamkeit wach ist, ist es keine Anstrengung, aber sie aufzuwecken und hier auf meine Beine und Hüften zu richten und dort zu halten – oder jetzt, da ich hier schreibe, meine Aufmerksamkeit auf meine Gesäß (das schmerzt gerade – ich sitze auf einem Meditationskissen vor dem Bett – allerdings eben leider nicht im Schneidersitz…) zu richten, das erfordert etwas wie Anstrengung…

 

Nach dem Vortrag noch eine halbe Stunde meditieren – das war wieder besonders anstrengend für mich und ich war auch am Ende sehr erschöpft…

 

Jetzt ist es 6:05 Uhr am letzten Tag und ich werde mich noch ein wenig hinlegen und versuchen bis zum Frühstück im Liegen zu meditieren…

 

Es ist 10:07 – die letzte gemeinsame Morgenmeditation lief gut – ich habe den Körper nur Stück für Stück und nicht als Ganzes „überspürt“ und habe ich konnte gut dabei bleiben bis zum Schluss, ohne meine Position zu verändern… Diesmal war ich achtsamer als bisher mit Verspannungen, die sich einstellen – und ich habe festgestellt, dass es auch eine gute Hilfe ist, Bereiche, die gerade verhärtet sind ein paar Mal vor und zurück zu „überspüren“…

 

Nach der Meditation war Pause und danach die Einweisung in die „Meta-Meditation“, in die Meditation der liebenden Güte: „Mögen alle Wesen glücklich sein! Mögen alle Wesen wirklichen Frieden erfahren! Mögen alle Wesen befreit werden!“… Ein paar Minuten am Ende einer jeden Meditation, sollen wir, während wir (und an den Stellen wo wir“ das „Überfließen“ unseres Körpers mit Aufmerksamkeit spüren, uns mit diesem Wunsch verbinden (und unsere liebevolle Güte mit diesem Spüren in die Welt senden?)…

 

Das edle Schweigen ist nun beendet – wir können wieder Missverständnisse erzeugen! ;-D

 

Jetzt ist es 15:45… Das Mittagessen war anders – es wurde viel geredet… Davor gab es schon eine kleine Ausstellung über das was hier so läuft und über Möglichkeiten, wie man beitragen kann – ich sprach mit einer Helferin – auch darüber wie viele verschiedene Lehrer es denn gibt? Etwa 40 in Europa, es werden dringend mehr benötigt… Wie ist es so mit Konflikten hier? Immer wieder – derzeit wird darum gerungen ob ein fahrbarer Rasenmäher angeschafft werden soll oder nicht… Bin gespannt, ob ich mich hier mit Mediation einbringen kann!

 

Nach dem Mittagessen gab es noch eine Führung über das Gelände und der Führer (Zahlmeister) hat uns die bisherige und die geplante Entwicklung des Zentrums erzählt… Beeindruckend was hier seit dem Kauf des Geländes in 2000 und dem Beginn der Retreats in 2002 entstanden ist! Und was noch geplant ist: ein Haus für Langzeithelfer/innen, noch ein Haus mit Einzelzimmern (für die Frauen) – ein Haus mit Mehrbettzimmern für Frauen…

 

Die Nachmittagsmeditation um 14:30 Uhr fand statt – und es lief gut, ich hab gut ohne Positionsänderung bis zum Schluss sein können… anfangs hab ich mich nur auf den Bereich unter meiner Nase konzentriert – und ich hab damit experimentiert, auf diesem Bereich mit meiner Aufmerksamkeit herumzuwandern: es hat geklappt und ist ein sonderliches Gefühl! Dann bin ich wieder dazu übergegangen, die Bereiche zu „überspüren“ und hab vielleicht nur zweimal den ganzen Körper von oben bis zu den Zehenspitzen und zurück überfließen lassen – es ist im Moment ein wenig anstrengend – besonders zurück nach oben, bei den Schultern und heute auch über den Kopf… anschließend (wir sollten uns vorher noch kurz entspannen) hat Goenka noch ein paar Minuten Meta- Meditation angeleitet: noch ziemlich unklar! Vermute, die weiblichen Vipassana- Lehrer haben da hilfreicheres entwickelt ;-)

 

Es ist 20:30 am letzten Abend…

 

Am Nachmittag gab es noch viele Informationen über Möglichkeiten, beizutragen – und viele Gespräche mit anderen…

 

Die Abendmeditation um 18:00 Uhr war von Anfang an nicht sehr bequem – und vielleicht zehn Minuten vor Goenka's Singen hab ich zwar meine Position nicht verändert, aber mich am äußeren Unterschenkel festhalten müssen – damit ging es aber trotz ziemlicher Schmerzen noch gut… Dir größte Herausforderung war bei dieser Mediation, dass es irgendwie sehr lang erschien, ohne dass die Not durch Schmerz, Anstrengung oder Anspannung wirklich groß geworden wäre… Langeweile? Jedenfalls bin ich ganz zufrieden damit, wie die Meditationen im Moment laufen: ich spüre alle Bereiche meines Körpers, wenn auch manche, wie den Rücken, die Brust und heute auch die Stirn nicht besonders gut – und auch wenn die Oberschenkel durchs Sitzen schnell verhärten kann ich schon weitgehend verhindern, dass zusätzliche Anspannungen und damit Schmerzen entstehen… Bin gespannt wie es damit weitergehen wird…

 

Morgen früh werde ich wohl wirklich um 4:00 Uhr aufstehen müssen, denn um 4:30 Uhr ist der Abschlussvortrag in Englisch… der in Deutsch beginnt um 5:00 Uhr…

 

Tag 11 - der letzte Morgen...
Als ich merke, dass wir um 5:30 Uhr zu demselben Vortrag auf deutsch wechseln sollen, streike ich – ich sehe nicht warum wir, die „Englisch-Hörer“ dann überhaupt eine halbe Stunde eher angefangen hatten und ich sehe auch nicht, wie ich dann noch Zeit haben soll, bis zum Frühstück zu packen und mein Zimmer sauber zu machen...

 

Mein Gesamteindruck dieses Retreats:
- Hervorragend ausgearbeitetes und strukturiertes und dadurch hocheffizientes Retreat

- Äußerst wertvoll für Menschen, die sich von der Zwangsläufigkeit der eigenen Impulse befreien wollen

- Das Wertvollste das ich seit der GFK-Transformationspraxis von Robert Gonzales für meine Persönlichkeitsentwicklung gefunden hab

2 Kommentare

Sieben Elemente der Selbstheilung - Fähigkeiten für ein Leben mit mehr Entspannung, Tatkraft und Lebensfreude

(Version 12)

Download
Sieben Elemente der Selbstheilung
Sieben Elemente der Selbstheilung V12.2-
Adobe Acrobat Dokument 206.3 KB

 

Vorwort zur Version 12

 

In diesem Text gebe ich mein Verständnis der Transformationspraxis von Robert Gonzales wieder, das ich mir in über 45 Seminartagen bei Robert selbst, durch viele Aufzeichnungen seiner Workshops und durch inzwischen 10-jährige eigene Erfahrung damit, sowohl bei mir selbst, als auch in der Begleitung anderer, gebildet habe.

 

Robert Gonzales ist einer der erfahren­sten Trainer für die Gewaltfreie Kommunikation (GFK - nach Marshall Rosenberg). Der Schwer­punkt seiner Transformationspraxis ist die zwanglose und mitfühlende Um­wandlung von allen unangenehmen Gefühlen (Ärger, Stress, Angst, Sorgen, Anspan­nung, Frust, Schuld, Resignation, ...) durch Mitge­fühl und Trauer. Durch diese Umwandlung können wir wieder mit unserer Lebens­energie in Ver­bindung kommen, d. h. mit der "Schönheit und Fülle der erfüllten Bedürfnisse", die durch das Unangenehme verdeckt wird. Mit zunehmender Übung der Elemente dieser Praxis wächst auch die Bewusstheit darüber, warum wir tun, was wir tun – ein echtes Selbst-Bewusstsein wächst...

 

Robert Gonzales (Psychotherapeut und Dr. der klinischen Psychologie) hat diese Transforma­tions­praxis entwickelt, um Menschen dabei zu unterstützen, aus dem kleinen und großen Leiden herauszukommen. In dieser Transformationspraxis sehe ich sieben wichtige Elemente. Es sind im Grunde Fähigkeiten, die uns dabei helfen, das kleine und große Leiden des Lebens in Trauer und Lebensenergie umzuwandeln. Diese Fähigkeiten können uns sogar dabei unterstützen, traumatische Erlebnisse aufzulösen. Ich denke auch, dass erfolgreiche Therapeuten mit ihnen arbeiten – allerdings wohl in der Regel unbewusst, denn die meisten dieser Fähigkeiten werden in den Theorien der etablierten Therapieverfahren nicht berücksichtigt.

 

Genauso wichtig wie die Unterstützung bei der Auflösung von Leiden scheint mir aber, dass diese sieben Fähigkeiten einen Schutz vor neuem Leiden darstellen. Sie helfen uns bei der Verarbeitung von mehr oder weniger frustrie­ren­den, stressigen, enttäuschenden, ärgerlichen oder sonst wie störenden oder unangeneh­men Erlebnissen unseres Alltags – oder allgemein gesprochen: sie helfen uns bei der alltäglichen „emotionalen Pflege“, die wir Menschen brauchen, nicht zu „verhärten“ und uns wohlzufühlen.

 

Der ganze Artikel kann oben (Download) als pdf-Datei heruntergeladen werden.

2 Kommentare

Das verurteilende Denken, die Ursache von Leiden und dadurch von Gewalt - und die Alternative als Weg zur Lebensfreude hin

Download
Artikel zum Downloaden
Verurteilendes Denken - die Ursache von
Adobe Acrobat Dokument 100.6 KB

(Version 6)

Überblick über den Inhalt:

In diesem Artikel stelle ich den Zusam­menhang zwischen der in unserer Gesell­schaft noch vorherr­schenden Denkweise, die ich "verurteilendes Denk­system" nenne, und dem Leiden der Menschen dar, die in diesem Denksystem gefangen sind.

Ich werde zeigen warum dieses Denk­system zwangsläufig zu kleinem oder großem Leiden führt und dass es auf dem (meist unbewussten) Glauben an "Schuld", bzw. "Sünde" basiert, ja diesen Glauben erfordert um überhaupt bestehen zu können.

Anschließend stelle ich die alternative Art, die Welt zu sehen dar: das "Denk­system der Gewaltfreiheit", das wohl schon seit über 2000 Jahren immer wie­der von den Menschen entdeckt und be­schrieben wurde, die heute als die großen Weisen der Menschheit angesehen werden.

Ich werde zeige, wie dieses andere Denk­system Leid verhindert und wie auch Urteile allge­mein und sogar "posi­tive" Werturteile uns unwei­gerlich aus diesem "Denksystem der Gewaltfrei­heit" heraus, in das "verurteilende Denksystem" führen können, in dem leiden unausweichlich ist.

Schließlich zeige ich woran man erken­nen kann, wenn man sich wieder im "verurtei­lenden Denksys­tem" ver­fangen hat und wie man sich in das "Denk­system der Gewaltfreiheit" befrei­en kann. Dabei stelle ich meinen eigenen Entwicklungsweg dar und ich zeige einen effektiven Weg für eine solche Ent­wicklung.


Liebe Leserin / lieber Leser, ich schreibe diesen Artikel, um meine Einsichten über die Ursachen von Leiden und Gewalt (auch in seinen subtilen Formen) mit Dir zu teilen. Diese Einsichten habe ich in den letzten Jahren und besonders durch eine Erfahrung gewonnen, die ich vor ein paar Wochen hatte - und ich möchte das Geschenk dieser Erfahrung feiern.

In dieser Erfahrung, habe ich zum ersten Mal bewusst eine "neue Welt" erlebt und ich möchte sie als "leid- und gewalt­freie Welt" oder als "Denk­system der Gewalt­freiheit" bezeich­nen. Ich habe erlebt wie es ist, in dieser "Welt" bewusst und auch in schmerz­haften Situa­tionen verankert zu sein.

Das heißt übrigens nicht, dass ich nun "fertig", oder gar "perfekt" bin - ich bin nach wie vor ein Lernender des Lebens, genau wie Du und wie jeder andere Mensch - mit dem kleinen Vorteil viel­leicht, dass ich durch diese Erfahrung klarer sehen kann, dass ich weder "besser" noch "schlechter" bin als Du; dass wir beide im Grunde gleich sind - genau wie jeder andere Mensch auf dieser Erde. Und selbst die Erfahrung selbst ist für mich kein "Verdienst", sondern ein Geschenk des Lebens, das mir die Lebensreise wahrscheinlich etwas erleichtern wird.

Zu diesem Geschenk hat mir vor allem die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg (GFK) und Robert Gonzales mit seiner GFK-Transforma­tionspraxis verholfen. Und ich bin besonders dankbar dafür, dass ich Roberts Transformationspraxis in dem "Euro-LIFE 2010"- Training vertiefen durfte, denn dabei habe ich das Geschenk schließlich erhalten :-)

Nach dieser Erfahrung sehe ich klarer denn je, dass diese Erkenntnisse nicht neu sind und ich glaube, dass sie allen Wegen zum Glück, die nach "innen" führen, zugrunde liegen. Daher wird Dir vielleicht einiges bekannt vorkommen.

Gleichzeitig hoffe ich, dass die Art der Dar­stellung und besonders der spezielle Weg, den ich gegangen bin, Dich inspiriert und Dich auf Deiner Reise des Lebens unterstützt, egal welcher Religion oder Philosophie Du folgst.

Ich möchte gleich am Anfang auf eine Falle hinweisen, in die ich selbst immer wieder gefallen bin und in die ich wohl auch weiterhin immer wieder mal fallen werde. Und aus meiner Erfahrung in meiner Arbeit macht diese Falle wohl jedem Menschen, der den Weg zur Befreiung vom Leiden gehen will, besonders zu Beginn immer wieder zu schaffen: Wenn wir Menschen einen Weg sehen, den wir gehen möchten, verurteilen wir uns fast zwangsläufig immer wieder selbst dafür, wenn wir von diesem Weg abweichen.

Diese Selbstverurteilung führt zu neuem Leiden und raubt uns Energie. Deshalb eine Bitte: Wenn Du den Weg aus dem Leiden heraus fin­den möchtest, behandle Dich selbst auch dann liebevoll und mitfühlend, wenn Du "Feh­ler" machst und Dich z.B. in verurteilendem Denken wiederfindest - behandle Dich bitte so liebevoll und mitfüh­lend wie Du ein kleines Kind behandeln würdest, das Du von Herzen liebst und mit dem Du mitfühlst und für das Du das Beste wünschst.

Auf diese Weise wirst Du Dir Deine Irrtümern leichter vergeben und dadurch besser daraus lernen können. Die Erkenntnis, dass verurteilendes Denken (sowohl bei uns selbst, als auch bei anderen) einfach nur ein Ausdruck von Schmerz ist, der liebevoll und mitfüh­lend umarmt und durch Trauern aufgelöst werden möchte, wird Dich dabei unterstützen.

Verurteilendes Denken kann als ein Teil eines "Denksystems", oder "Paradig­mas", d.h. einer "Denkweise" oder "Art der Weltanschauung" gesehen werden; als Teil einer Denkweise, die Angst hervorruft und zu Leiden führt.

 

Definition von "verurteilendem Denken" und von "Leiden"

Zur Klarheit und Verständlichkeit möchte ich zuerst definieren, was ich mit den Begriffen "verurteilendes Denken" und "Leiden" meine:

- Mit "verurteilendem Denken" meine ich vor allem das ablehnende, abwer­tende Denken, das in uns unangenehme emotionale Reaktionen hervorruft. Wie angedeutet sehe ich dieses Denken als Teil des "verurteilenden Denksystems" (in der GFK "Wolfsdenken" genannt).

- Mit "Leiden" meine ich das vermeidbare Unangenehme, im Gegensatz zu Schmerz und Trauer, die schon wegen der Vergänglichkeit des Lebens nicht vermeidbar sind.

Ich neige zu der Ansicht, dass Schmerz entwe­der durch verurteilendes Denken (allgemein: Widerstand gegen den Schmerz) zu Leiden wird und wir dadurch "Schmerzen leiden", oder aber durch Liebe und Mitgefühl sich in Trauern (als deren Ausdruck) auflösen kann - ersteres ist eben Leiden und kostet Energie, letzteres bringt Energie und führt in die eigene Kraft.

 

Der Zusammenhang zwischen dem verurteilendem Denken
und unangenehmen Gefühlen und Körperempfindungen 

  Damit Du meinen Ausführungen nicht einfach nur glauben musst, sondern die Zusammenhänge selbst prüfen kannst, lade ich Dich zu einem kleinen Experiment ein. In diesem Experiment versuche ich die Wirkung erfahrbar zu machen, die "negative" Verurteilungen auf Menschen ha­ben (sei bitte achtsam und brich das Ex­periment ab, wenn es zu unangenehm werden sollte ein paarmal tief Durch­atmen kann in einem solchen Fall helfen):

Damit Du die Wirkung leichter spüren kannst, nimm Dir zuerst ein wenig Zeit, Dich zu entspannen und innerlich zur Ruhe zu kommen. Dabei unterstützt es Dich vielleicht, ein paar Mal tief durchzuatmen und Dich bewusst zu entspannen...

Dann such Dir einen der folgenden Gedanken aus - am besten sprichst Du ihn laut aus - und spüre anschließend in Deinen Körper hinein, ob Du Empfin­dungen wie Anspannung, Druck, Taub­heit, o.ä. spüren kannst. Such Dir einen Gedanken aus, bei dem Du schon beim Lesen eine Reaktion spürst:

"Ich bin schlecht"; "Ich bin zu ego­istisch"; "Ich bin zu gierig"; "Ich bin schuld / Ich mach alles falsch"; "Ich bin zu geizig"; "Ich bin rücksichtslos"; "Ich bin zu faul"; "Ich bin dumm / nicht intelligent"; "Ich bin zu hässlich / nicht schön"; "Ich bin unfähig"; "Ich bin hilflos"; "Ich bin das Opfer".

  Wenn Du bei keinem von diesen Gedan­ken eine Reaktion spürst, versuche Folgendes: Erinnere Dich an ein Situation in der Du Dich geärgert oder sonst wie unwohl gefühlt hast und schau, was für Urteile Du anderen oder Dir selbst gegenüber in Bezug auf diese Situation hast. Du kannst das Experiment dann mit einem dieser Urteil machen. Wenn es ein Urteil über einen anderen ist, dreh es einfach um und sage: "Ich bin ...".  

Du wirst bei diesem Experiment eine unangenehme Reak­tion in Deinem Körper spüren, wenn Du diese Übung mit einer Selbstverurteilung machst, von der "etwas in Dir" / "ein Teil von Dir" glaubt, dass sie stimmt (meist nicht bewusst).

Schließlich kannst Du dieser unange­nehmen Reaktion eine Bedeutung geben, indem Du sie mit Gefühls­worten beschreibst.

Wenn das Experiment erfolgreich war, hast Du erfahren wie verurtei­lende Gedanken mit unangenehmem Fühlen (oder nicht-Fühlen wie Taubheit) und unange­nehmen Körper­empfindungen zusammen­hängen, ja diese verursachen. Und du hast auch einen Hinweis darauf bekommen, wo sehr wahrscheinlich eine Grundüberzeugung / ein Glaubenssatz von Dir verborgen liegt - ein Schatz, der Dich zu mehr Freiheit führen kann :-) 

Die Ursache von Sucht: Ausweichen vor dem Unangenehmen

Dies ist ein Zusammenhang, der für alle Menschen gleichermaßen gilt, auch wenn viele gelernt haben "das Unange­nehme" nicht zu spüren, d.h. es zu ver­drängen, es zu betäuben oder ihm anders auszuweichen.

Alle Süchte und Abhängigkeiten sind meiner Meinung nach in erster Linie der Versuch, den unange­nehmen Gefühlen (wie Angst, Ärger, Resignation, ...) und deren Körperemp­findungen auszuwei­chen, und Abhängigkeiten können in vielen Formen auftreten. So gesehen wird klar: Im Grunde kann wirklich alles, was angenehme Gefühle in uns auslöst, abhängig / süchtig  machen, wenn es dazu genutzt wird, Unangenehmem auszuweichen - sogar Arbeiten, Sport und anderen helfen!

Wenn das Ausweichen vor dem Unangenehmen nun die Ursache für die Süchte und Abhängigkeiten ist, dann kann die Lösung nicht im "verurtei­lenden Denksystem" gefunden werden (also z.B. durch Selbstver­ur­teilung), denn das würde das Unangenehme nur verstärken, weil es ja gerade durch verurteilendes Denken verursacht wird. Leider tun aber viele Menschen, die in Abhängigkeiten feststecken, genau das: sie verurteilen sich selbst dafür, z.B. "zu" schwach", "zu undiszipliniert", oder "inkonsequent" zu sein  - und dadurch erschweren sie es sich selbst erheblich, wieder frei zu werden...

 

Die Auswirkungen, die verurteilendes Denken anderen gegenüber, auf uns hat

Wie schon angedeutet, lösen die verurtei­len­den Gedanken in Form von "Ich bin ..." oder "Du bist ..." zwar meist am deutlichsten Leiden aus, weil sie direkt gegen den betreffenden Menschen gerichtet sind. Allerdings sind sie nur die Spitze des Eisbergs des "verurteilenden Denksystems". Verurtei­lung­en / Bewer­tungen von Hand­lungen oder Unter­lassungen mögen sich nicht so deutlich auf uns auswirken, aber zum einen können sie leicht unsere un­bewussten Selbstverur­teilungen ansprechen, bzw. lösen diese aus und zum anderen ziehen sie uns in das "verurteilende Denksystem" hinein; sie "gewöhnen" uns sozusagen an Verur­tei­lungen und stützen den Glauben an ihren vermeintlichen Wert.

Du kannst die Auswirkungen gut spüren, die verurteilenden Ge­danken gegenüber anderen auf Dich haben. Buddha soll gesagt haben: "Groll mit sich herumtragen ist wie das Greifen nach einem glühenden Stück Kohle in der Absicht, es nach jemandem zu werfen. Man verbrennt sich nur selbst dabei.", und ich glaube, Du kannst auch diesen Effekt mit folgendem Experiment gut spüren:
Erinnere Dich an eine Situation in der Du Dich über jemanden geärgert hast - und spüre in Deinen Körper wie es sich jetzt im Moment anfühlt...

Obwohl wir uns oft zumindest nicht gleich dessen bewusst sind, ist Ärger immer mit einem Urteil darüber ver­bunden, dass etwas "falsch" ist und anders sein "sollte" - Ärger kann also als eine Form der Angst, vor dem was ist / des Widerstands, gegen das was ist, ver­standen werden und ist nur innerhalb des "verurteilenden Denksystems" möglich.

Meiner Meinung nach leiden wir aus zwei Gründen unter den Verurteilungen anderer:
1.: Wie das Experiment gezeigt hat, leiden wir zuallererst selbst darunter (wenn auch oft unbemerkt), wenn wir andere verurteilen. Abgesehen von der kurz­fristigen Erleichterung, die wir erleben können, wenn wir es schaffen, die "Schuld" anderen zu geben - der Grund hierfür liegt wohl vor allem darin, dass sich dann unser eigenes (unbewusstes) Schuldgefühl etwas entspannt -, halten uns auch die Verurteilungen anderer davon ab, Vergangenes loszulassen / Frieden mit Vergangenem zu schließen - wir ärgern uns (und wir tun das tatsächlich ganz alleine ;-).

2.: Zudem muss ich immer auch befürchten, selbst verurteilt zu werden, wenn ich andere verurteile. Ich lebe zwangsläufig unter dieser latenten Angst, vor Verurteilung und muss mich davor schützen (z.B. dadurch, dass ich immer wieder beweise, dass andere "schlechter" sind / dass ich "besser" bin). Und wenn andere mich tatsächlich verurteilen, wird es unangenehm für mich: die latent vorhandene Angst wird wach.

Selbst die Bibel spricht diesen Aspekt an: "Richtet nicht, auf dass Ihr nicht gerichtet werdet."...

Diese zwei Zusammenhänge führen zu dem kleinen und großen Leiden, das in dem "verurteilenden Denksystem" unausweichlich ist und das letztendlich für uns selbst das Leben im wahrsten Sinne des Wortes zur Hölle machen kann... Das ist es wohl auch was Gandhi meinte, als er sagte, er selbst sei sein größter Feind... In "Ein Kurs in Wundern" steht: "Es gibt keine Hölle. Die Hölle ist nur das, was das Ego [das verurteilende Denken] aus der Gegenwart gemacht hat."...

Ich möchte noch anmerken, dass selbst "posi­tive" Urteile wie Kompli­mente oder Lob können uns, im Gegen­satz zu wertfreiem Ausdruck von Aner­kennung und Dankbarkeit, auf unmerk­liche Weise in dem "ver­urteilende Denksystem" verstrickt halten - ich werde weiter unten nochmals näher darauf eingehen...

 

Die Auswirkungen von selbst-verurteilendem Denken

Der Kern unseres Leidens sind allerdings unsere (meist unbewussten) Selbstverur­teilungen und sie sind sogar verant­wortlich dafür, dass Verurteilungen anderer für uns schmerzhaft sind. Das wird offen­sichtlich, wenn uns jemand auf eine Weise verurteilt, die mit keiner Selbstverurteilung korrespondiert.

Wenn mich z.B. jemand als "Mörder" be­schimpft, berührt mich das in keiner Weise, weil es "zu weit hergeholt" ist - eben zu weit weg von meinen eigenen (immer noch teilweise unbewussten) Selbstverur­teilungen. Wenn hingegen jemand zu mir sagt: "Du baust nur Mist!", dann kann das immer noch schmerzhaft für mich sein, weil es ziemlich genau das ist, was ich in meiner Kindheit so oft hörte und was ich mir schließlich dann auch selbst gesagt hatte.

Bei Selbstverurteilungen haben wir vor allem drei Möglichkeiten und wir verwenden wohl meistens eine Mischung aus allen dreien:
1. Wir glauben ihnen und fühlen uns hilflos den Selbsturteilen ausgeliefert. Das kann uns direkt in die Depression führen.

2. Wir rebellieren dagegen, d.h. wir versuchen zu "beweisen", dass wir nicht "so" sind. Das führt zu Aggression - und dann meist oft zu Gewalt .

3. Wir verdrängen die Selbstverur­tei­lungen ins Unterbewusste.

Wenn wir unsere selbst- verurteilenden Gedan­ken verdrängen, sind sie übrigens nicht aufge­löst, sondern sie wirken sich machtvoller, weil unbewusst und deshalb unbemerkt auf unser Leben aus. Die west­liche Psychologie hat in den letzten hundert Jahren den psychologischen Abwehr­mecha­nismus der Projektion entdeckt, durch den sich unsere unbewussten Anteile auswir­ken: Hinter meiner Verurteilung anderer steckt in Wahrheit die Ablehnung / die Verurteilung von Teile / Impulsen von uns selbst.

Neben vielen anderen Ansätzen basiert z.B. Byron Katies "The Work" ge­nau auf diesem Zusammen­hang der Projektion.

 

Die Grundbedingung für das "verurteilenden Denksystem"

Wenn man den Abwehrmechanismus der Pro­jektion genau betrachtet, kann man sehen, dass Selbstverurteilungen gerade­zu die Voraus­setzung für das "verurtei­lende Denksystem sind. "Ein Kurs in Wundern" sagt: "... die Idee der Schuld bringt einen Glauben an die Verurtei­lung des einen durch den anderen und pro­jiziert Trennung statt Einheit.". Demnach (und "Ein Kurs in Wundern" spricht an vielen Stellen davon) kann das "verurteilende Denksystem" ohne den Glauben an "Schuld" und "Sünde", die sich in Selbstverurteilungen ausdrücken, nicht existieren - und dieser Glaube an "Schuld" und "Sünde" kann durch­aus sehr subtil sein und ist oft gänzlich unterbewusst.

Jedoch: hast Du jemals weniger getan als das Beste was Du in dem Moment eben tun konntest? Ich habe mir selbst diese Frage oft gestellt und gesehen, das es bei mir der Fall war, auch wenn ich im Nach­hinein vieles gerne anders gemacht hätte - zu dem Zeitpunkt hatte ich entweder das Wissen nicht, oder nicht genügend Ressourcen. Und ich habe mehr und mehr gesehen, dass das allgemein gilt:     
Wir Menschen tun zu jeder Zeit das Beste, was wir in Anbetracht unseres Zustandes, unseres Wissens und unserer Ressourcen, in dem Moment eben tun können.

Durch die Beschäftigung mit der Gewaltfreien Kommunikation habe ich auch zunehmend erkannt, wie stark wir Menschen von unseren unbewussten Glaubens­sätzen und Überzeu­gungen gesteuert werden (ohne das es über­haupt möglich ist, es zu merken!). Und diese Glaubenssätze und Überzeugungen sind im Grunde Interpretationen von meist schmerz­haften Lebenserfahrungen - oft auch noch von anderen übernommen.

Allein diese Tatsache, dass wir von Interpre­tationen gesteuert werden, deren wir uns gar nicht bewusst sind, zeigt die tatsächliche "Un­freiheit des Willens" und lässt das Konzept der "Schuld" und der "Sünde" sinnlos werden - sogar dann, wenn wir andere verletzen. Und Jesus Worte am Kreuz, sprechen meiner Meinung nach genau diesen Punkt an: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!"... 

Der Glaube an Schuld bringt übrigens auch die, bei genauer Betrachtung selt­same Über­zeugung mit sich, dass Angriff oder Bestrafung gerechtfertigt seien und Gutes bewirken könnten. Weiter unten werde ich darauf zurückkommen und zeigen, dass dies ebenfalls ein Irrtum ist.

 
Die Alternative: das "Denksystem der Gewaltfreiheit"

Was genau ist nun die Alternative? Was ist das "Denksystem der Gewaltfreiheit"? Dieses Denk­system (in der GFK "GFK-Bewusstsein" genant) ist ein "Paradigma", in dem ich liebevoll und mitfühlend mit mir und anderen Menschen umgehe und ich glaube es ist das was z.B. im Buddhismus das Ziel jeder Meditation ist und mit "in der Natur des Geistes weilen", gemeint ist. Im Christentum wird es wohl unter anderem als "im Heiligen Geist ruhen" bezeichnet und es ist wohl das was Ken Wilber (myilp.com) mit "Schaulogik" oder "Bewusstsein zweiten Ranges" bezeichnet...

Wenn ich in diesem, so anderen "Denk­system der Gewaltfreiheit" bin, sehe ich in mir und den anderen einfach nur den Menschen, der das Beste tut, was er gerade tun kann - auch wenn die Auswirkungen des Tuns schmerzhaft sein mögen. Das hindert mich übrigens nicht daran, notfalls auch Gewalt einzusetzen, um zu schützen...

Bisher hab ich das alles nur theoretisch ge­sehen und trotzdem hatte ich intuitiv gespürt: So kann Frieden herrschen! So möchte ich leben! Nachdem ich nun erfahren habe wie es ist, nicht nur dann, wenn die Umstände angenehm sind, für ein paar Minuten, sondern auch in herausfordernden / schmerzhaften Situa­tionen, für länger Zeit und bewusst vertrauens­voll in diesem "Paradigma der Gewaltfreiheit" zu ruhen, fällt es mir schwer die Worte dafür zu finden. Es ist kein "großartiger" Zustand. Wenn ich dort verankert bin, spüre ich Liebe und Mitgefühl für mich und die anderen (Mitgefühl übrigens im Gegensatz zu Mitleid, welchem ein Urteil zugrunde liegt).

In dieser "Weltsicht" habe ich keine Urteile wie gut / schlecht, richtig / falsch. Ich nutze diese Worte nicht einmal, weil ich sehe, wie leicht sie uns meistens in das "verurteilende Denksystem" bringen.

In diesem "Denksystem" benötige ich Urteile überhaupt nicht und ich brauche auch nicht die Idee der Schuld, um für mich oder andere zu sorgen, bzw. um zu leben und zu han­deln. Ich sehe Menschen, die handeln oder nicht-handeln und ich kann aufrichtig ausdrücken, wie ich die Situationen erlebe, und aktiv Einfluss nehmen, ohne andere zu verurteilen.

In diesem "Paradigma der Gewaltfrei­heit", bin ich entspannt und meist voller Tatkraft, und ich spüre auch in der Trauer meine Lebensfreude - eine freud­volle Wärme zwischen Solarplexus und meinem Herzen.

In dieser "Weltanschauung" kann ich auf Handlungen von von mir oder anderen, die schmerzhaft für mich oder andere sind, mitfühlend und mit meiner ganzen Kraft reagieren, vor allem wohl, weil ich für und nicht gegen etwas handle.

In diesem "Paradigma der Gewaltfrei­heit" kann ich meine Feinde lieben, weil ich keine Feinde habe! Ich sehe in denen, die ich in der Vergangenheit für Feinde gehalten habe, einfach nur Menschen, die vielleicht verzweifelt sind, aber eben immer das Beste tun, was sie in diesem Moment, mit dem Wissen und den Ressourcen, die sie zur Verfügung haben, tun können. Und so sehe ich auch mich selbst und meine Handlungen.

Das hindert mich nicht daran aus Fehlern zu lernen - im Gegenteil, es fällt mir so viel leichter, zu lernen und mein Ver­halten zu ändern, weil ich mir selbst liebevoll und mitfühlend begegne und dadurch keine Angst habe und keinen Widerstand, und so auch nicht meine Abwehrmechanismen auslöse. Und wenn ich anderen auf diese Art begegne, unterstütze ich auch sie dabei, sich selbst liebevoll anzunehmen und aus Vergangenem zu lernen, ohne ihre Abwehr­mechanismen (=Angst / Widerstand) auszulösen....

 

Das "verurteilende Denksystem" und Wiedergutmachung

Bei genauer Betrachtung wird auch klar, dass Verurteilungen für ein Funktio­nieren in unserer Gesell­schaft gar nicht (mehr) notwendig sind. Selbst wenn jemand einem anderen Schaden zugefügt oder ihn verletzt hat, genügt es voll­kommen, die Tat und die Auswirkung zu betrachten, um dann schützend einzugreifen (was durchaus auch bedeuten kann, den "Täter" einzu­sperren) und dann Raum für Mitfühlen und Trauern zu schaffen und schließlich Wiedergut­machung zu ermöglichen.

Der Weg auf Verurteilungen zu verzich­ten, ist sogar viel wirkungsvoller, weil die Schuld­gefühle, die durch Verurtei­lungen i.d.R. hervor­gerufen werden, den Betreffenden schwächen und ihm Energie zur Wiedergut­machung rauben, und das ist  kontraproduktiv.

Wie schon gesagt, sind Schuld­gefühle so schmerzhaft, dass sie in der Regel eben die psychologischen Abwehr­mecha­nis­men aus­lösen, vor allem das Rationa­lisieren, das Ver­drängen ins Unter­be­wusste und die Projektion auf andere. Letzte­res ist häufig auch bei schweren Straf­taten anzutreffen: Der "Täter" gibt dem "Opfer" die (Mit-)Schuld.

Im Grunde hat ein "Täter" im "verurtei­lenden Denksystem" genau zwei Mög­lichkeiten: Entweder er klagt sich selbst an und fühlt sich schuldig - was wie obiges Experiment zeigt, zu Leiden führt (Resignation / Depression) und Energie raubt -, oder er projiziert die Schuld auf andere: auf das Opfer, die Eltern oder die Gesellschaft und spürt Ärger oder Wut, oder aber eine Mischung aus Selbst­verurteilung und der Verurteilung anderer. Beide Wege verhin­dern, dass der "Täter" in seine Kraft kommt und wirklich Verantwortung für seine Tat über­nehmen, d.h. mit dem "Opfer" mitfühlen und trauern kann. Erst aus dem Mitfühlen entsteht ganz natürlich der  Wunsch, Wiedergut­machung zu leistet und daraus zu lernen / sein Verhalten zu ändern.

Meiner Meinung wird es durch verurteilendes Denken geradezu verhin­dert, dass Menschen, die etwas getan haben, das schmerzhaft für andere war, mit diesen mitfühlen und trauern können. Das übrigens wohl der Haupt­grund dafür, dass die bestrafenden Justiz (auf der noch die meisten Justizsysteme der Welt aufge­baut sind) mehr schadet als nützt (was viele Untersuchungen über den Nutzen von Gefäng­nisstrafen inzwischen auch bestätigt haben).

Ansätze der "Stärkenden Justiz" (Restorative Justice), die sich in Deutschland besonders im Jugend­strafrecht (vor allem der Täter-Opfer-Ausgleich) mehr und mehr bewährt haben, zeigen hilfreichere alternative Wege, obwohl leider in den Köpfen der "Anwender" oft noch moralische Urteile und dadurch ein "Ändern wollen" / "Erziehen wollen" mitschwingt.

 

Auswirkungen des "verurteilenden Denksystems" auf "Opfer" von Handlungen

Bei genauer Betrachtung sind Verurtei­lungen sogar für die "Opfer" schädlich, weil sie davon ablenken, den Schmerz wirklich zu spüren und in zu betrauern, d.h. ihn mitfühlend und verständnisvoll zu umarmen. Nur so könnte das schmerzhafte Ereignis allerdings aufgearbeitet werden und das "Opfer" schließlich in Frieden damit kommen; das Opfer könnte das Erlebte "loslassen" - durch die Ablenkung und so lange diese besteht, wird das verhindert.

"Rache" mag zwar kurzfristig erleich­tern (vor allem wohl dadurch, dass die eigenen unbewussten Schuldgefühle auf andere projiziert werden können), und das Ablenken von allzu großem Schmerz mag nach extrem schmerzhaften Erfahrungen anfangs sogar wichtig sein (auch wenn es auch hier inzwischen hilfreichere Wege gibt), aber wenn das "Opfer" an den Verurteilungen festhält, bedeutet das langfristiges Leiden, weil es das Vergangene nicht aufarbeiten und somit nicht loslassen und damit in Frieden kommen kann - auch dieses Leiden ist in unserer Gesellschaft leider noch normal. Die Worte aus der Bibel: "Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet", die in der Bibel stehen, deutet für mich genau auf diesen Aspekt hin.
Ich glaube, dass jede Form der Rache zwangs­läufig das Gewissen dessen belastet, der sich rächt, weil alles was wir anderen an­tun, immer auch auf uns selbst zurückfällt. Selbst jemand, der z.B. in Notwehr einen anderen Menschen tötet, muss trauern über den Schmerz, den er z.B. bei dessen Hinter­bliebenen ausgelöst hat, damit er wieder Frieden finden kann - um wie viel mehr gilt das dann für Rache?

Im Zusammenhang mit Trauma allgemein wage ich zu behaupten, dass das "verur­tei­lende Denksystem" sogar die Grund­lage ist, auf der posttraumatische Belas­tungsstörungen erst ermöglicht werden und dass diese im "Denksystem der Gewalt­freiheit" nicht möglich sind Ich glaube nicht, dass z.B. Jesus posttraumatisch Belastungsstörungen entwickeln hätte können.

Es wäre ein interessantes Forschungsvorhaben, die Ergeb­nisse der Resilienzforschung auf diesen Aspekt hin zu untersuchen (Resilienz ist die Fähigkeit, mit "normalerweise" traumatisierenden Erfahrungen umzugehen und sie zu bewältigen).

Ich möchte hier nochmals betonen, das es nicht bedeutet, "alles mit sich machen zu lassen", wenn man auf Urteile wie gut / schlecht, richtig / falsch verzichtet. Wie auch die Beispiele von den großen Weisen der Menschheit von Buddha und Jesus, über Gandhi bis z.B. zum Dalai Lama und viele anderen mehr zeigen, sind wir viel wacher und acht­samer dafür, was um uns herum passiert, wenn wir in dem "Paradigma der Gewaltfreiheit" ruhen, und wir können dadurch - wenn notwendig - früher und mit mehr Kraft Einfluss nehmen - und natürlich haben wir in dieser Weltsicht keine Schwierigkeiten, die Dinge, die wir nicht ändern können, anzunehmen (und wir haben die Weisheit diese zu unterscheiden von denen, die wir ändern können :-).

Im "Paradigma der Gewaltfreiheit" sehen wir im "Täter" nur den leidenden "Bru­der" / die lei­dende "Schwester", welche/r nicht verschie­den ist von uns, und da­durch können wir ihm / ihr liebevoll und mitfühlend begeg­nen. Dass da­durch auch die Gefahr geringer ist, dass seine / ihre Abwehr­mecha­nismen (darunter auch den des Angriffs) ausge­löst, bzw. verstärken werden, habe ich bereits gezeigt. Im "Paradigma der Gewaltfreiheit" haben wir also bessere Chancen den "Täter" zu "erreichen" bzw. Ein­fluss zu nehmen, d.h. wir haben mehr Macht...

 

Das "verurteilende Denksystem" und meine persönliche Erfahrung damit

So lange lösen die entsprechenden Sätze unsere Abwehrmechanismen aus und wir projizieren unsere vermeintliche Schuld auf andere. Ich bin inzwischen davon überzeugt, dass kein Mensch eigene Projektionen völlig ausschließen kann. Deshalb ist es ein effektiver Weg in unsere Urteilen über andere, eigene Anteile zu suchen und diese zu transformieren - und wenn dieser Weg mitfühlend gegangen wird, führt er zu Selbsterkenntnis und damit zu persönlicher Entwicklung und zunehmender Freiheit.

Meine jüngste Entdeckung einer Selbstver­urteilung von mir hat die Form des Glaubenssatzes: "Ich mache immer alles falsch!". Und erst seit relativ kurzer Zeit bin ich mir bewusst geworden, dass ich mir diesen Satz in meiner Kindheit und Jugend oft selbst gesagt hatte. Inzwischen kann ich sehen, wie dieser Glaubenssatz sich bis heute in meinen Handlungen ausgewirkt hat; er hat heute noch die Kraft, meine Abwehr­mechanismen auszulösen, und er hat mich mein ganzes Leben lang immer wieder dazu getrieben, "es wieder gutzu­machen". Dieses "getrieben Sein" lebte in mir als fast ständiger Druck und "auf der Hut Sein" und es hat mich immer wieder zu Hand­lungen getrieben, die Schmerz in an­deren und / oder in mir ausgelöst haben.

Wie gesagt, bin ich schon seit einigen Jahren davon überzeugt, dass jeder Men­sch zu jeder Zeit das Beste tut, was er, in Anbetracht seines Wissens, seiner Be­wusstheit und der Ressourcen, die er zur Verfügung hat, tun kann. Diese Überzeu­gung hat mir zunehmend gehol­fen, an­dere weniger zu verurteilen. Gleich­zeitig ist es für mich Im Nach­hinein betrachtet überraschend, dass ich sie nicht auch auf mein eigenes Tun ange­wandt habe. Ich habe mich noch bis vor wenigen Monaten immer wieder für unerwar­tete Folgen meines Tuns verur­teilt, meistens sogar, ohne dass ich es gemerkt hatte.

Seit ich im zuneh­men mitfühlend mit mir selbst umgehe, wenn ich einem Irrtum unterlegen bin / einen "Fehler" begangen habe (das Wissen um meine gute Absicht erleichtert mir das), kann ich auch zunehmend mein Herz für den kleinen und großen Schmerz öffnen, der durch meine Irrtümer bei anderen ausgelöst wird. Und ich kann dadurch in diesen Fällen mit ganzem Herzen mitfühlen und trauern...

In dem "verurteilendem Denksystem" habe ich Vergangenes analysieren und Möglichkeiten zeigen wollen, wie sich alle Beteiligten anders verhalten hätten können, damit die schmerzhaften Situationen hätten vermieden werden können. So wertvoll es sein mag, auch durch Analysieren aus Vergangenem zu lernen, so war dies doch zum Teil der subtile Versuch, die "Schuld" auf andere zu projizieren und sie dadurch loszuwerden. Ich konnte mir sagen: Wenn das passiert wäre / der oder die sich so verhalten hätte, wäre es anders gelaufen. Ich konnte also ein wenig von meiner eigenen vermeintlichen "Schuld" auf andere projizieren, wenn ich solche "Fehler" fand - und ich war mir natürlich dessen nicht bewusst...

Mir hat also die Auflösung des Glaubens an die Schuld geholfen, von dem Leid verursachende "verurteilende Paradig­ma" loszulassen und wirklich Verantwor­tung für meine Handlungen zu überneh­men. Früher hab ich viel Energie dafür gebraucht, entweder zu versuchen die (Mit-)Schuld bei anderen zu finden, oder mich selbst zu verurteilen, oder beides zugleich - und dadurch war wertvolle Lebens­energie gebunden und ich war abgelenkt von dem worum es wirklich geht, nämlich mitzufühlen und zu trauern um die Folgen meines Tuns oder Nicht-Tuns und daraus zu lernen und ggf. Wiedergut­machung zu leisten... 

 

Die Auswirkungen moralischer Urteile über Handlungen

Auch moralische Urteile über Hand­lungen allgemein, wie richtig/falsch, gut/ schlecht können, genau wie Zustands­be­schreibungen wie schön/hässlich, dick/ dünn, ..., Leiden fördern, und sie stützen das "verurteilenden Paradig­ma". Das Leben ist wohl niemals so einfach, dass wir Handlungen eindeutig als "richtig" beurteilen können, so wie Ergebnisse in der Mathematik. Hand­lungen haben durch die allseitige Verne­tzung und Abhängigkeit alles Existieren­den so vielschichtige Auswirkung­en, dass wir bestenfalls das Offensichtlichste sehen können - somit erscheint es als eine Anmaßung des "Ego", zu glauben, wir könnten Handlungen wirklich beurteilen.  

Wie bereits gesagt, ist es auch ganz unwichtig, ob wir eine Handlung als richtig oder falsch bewer­ten. Es genügt vollkommen, dass wir uns die Folgen von Hand­lungen oder Unterlassungen ansehen und ggf. berichtigen und daraus lernen. Selbst vermeintlich "richtige" Handlungen können für andere oder für uns selbst schmerzhafte Folgen haben, die liebe­voll und mitfühlend betrauert werden müssen, um wieder Frieden mit der Vergangenheit zu finden. Wie bereits gesagt: Selbst jemand der in Notwehr einen anderen Menschen tötet, muss trauern, damit er wieder Frieden finden kann...

Wir Menschen brauchen wohl noch ein paar hundert Jahre Regeln und Konsequenzen für das Brechen dieser Regeln - vor allem wohl, um das Leben zu vereinfachen. Aber wir können loslassen von moralischen Urteilen und auch vom "bestrafen Wollen" / "rächen Wollen". Dadurch können wir auch in dem "Täter" leichter denselben Menschen erkennen, wie wir - einen Menschen, der einfach nur versucht glücklich zu sein - und wir können ihm dadurch leichter und erfolgreicher helfen, Wege zu finden, die dem Leben besser dienen...

Die Auswirkungen von "positiven"und sonstigen Urteilen

Wer Paul Watzlawicks "Anleitung zum Unglück­lichsein" kennt, der weiß, wenn man unglück­lich sein will, soll man sich unter ande­rem mög­lichst oft mit anderen vergleichen und immer versuchen, der "Beste" zu sein, oder "recht zu haben". Hier spielen positive Wert­urteile eine große Rolle und die Auswir­kungen kann man besonders deutlich im Sport sehen. 

Im Leistungssport zählt praktisch immer nur der "Erste" oder der "Beste" und jeder muss befürchten nicht der "Erste" / der "Beste" zu sein. Man kann nun lapidar sage: "So ist das halt im Sport.", und wenn man der "Erste" / "Beste" / "Größte" ist, fühlt sich das ja richtig gut an, oder? Sogar die Zuschauer, die sich mit dem "Sieger" identifizieren, können sich dann kurzzeitig gut fühlen. Aber selbst wenn man an erster Stelle ist, ist immer auch die latente Angst vorhanden, diesen Platz zu verlieren.  

Viel wichtiger ist aber die Auswirkungen auf diejenigen, die nicht an "erster Stelle" stehen. Besonders deutlich sieht man das im Fußball, bei den sogenann­ten "Hooligans". Wenn die "eigene Mann­schaft" verliert, löst das Schmerz aus, der zu Leiden wird, welches sich dann (was Leiden immer tut) in Gewalt Luft macht - leider meist in Gewalt gegen andere.  

Und das schädlichste ist wohl das Bei­spiel, dass damit den Menschen in der Gesellschaft allgemein gege­ben wird: Der Druck, "Erster" / "Bester" sein zu müssen, unterstützt das "verurteilende Denk­system" und fördert damit letzt­endlich Leiden.

Die Wissenschaft hat übrigens gezeigt, dass Konkurrenz­denken (das ja auch durch diese Beispiele gefödert wird) selbst im Berufs­leben schädlich ist - vor allem, weil es Angst schürt und damit tendenziell die Schutzmecha­nismen aller Beteiligten aktiviert. Die Folge ist, dass die Beteiligten mehr damit beschäftigt sind, sich voreinander zu schützen, als produktiv tätig zu sein, ganz zu schweigen von der Erschwernis der Zusammenarbeit...  

Ein weiteres großes Feld des Leidens ist "Schönheit". Wie viel Leid vermeintliche äußere Schönheit und der Druck, "Schön sein zu müssen" besonders bei Mädchen auslösen kann, hab ich selbst bei meinen beiden Töchtern erfahren. Sogar bei den Menschen, die als schön gelten, löst dieses Urteil viel Leid aus, was vielleicht am deutlichsten das Leben und Leiden Marilyn Monroes zeigt. Auch "schöne" Menschen möchten doch um ihrer selbst Willen geliebt werden, und nicht weil sie zufällig einem Schönheits­ideal entsprechen bzw. von anderen als "schön" beurteilt werden...  

  Tatsächlich ist das Schönheitsideal an sich sehr relativ - Zum einen wandelt es im Laufe der Zeit (z.B. hat sich das Schönheitsideal für Frauen in den letzten Jahrzehnten in Richtung "Mager­sucht" entwickelt). Zum anderen ist es allgemein auch von Mensch zu Mensch sehr ver­schieden, was jeweils als "schön" emp­funden wird. Und es kann sich sogar je nach Situation subjektiv verändern. Ich hab mich in den letzten Jahren selbst immer wieder dabei beob­achtet, wie ich z.B. einen Menschen einmal als "schön" empfunden hab und mich ein anderes Mal dessen Aussehen eher abgestoßen hat. Das hat mir deutlich gezeigt, dass meine Reaktion auf diesen Menschen, mit mir und nicht mit ihm zu tun hatte.

Alleine das hat mich gelehrt, nicht mehr zu sagen: "Du bist schön", sondern das was tatsächlich in dem Moment der Fall ist. Z.B. vielleicht: "Du gefällst mir.", oder verletzlicher: "Ich genieße es gerade, Dich anzuschauen.", oder noch verletzlicher: "Wenn ich Dich anschaue, dann wird mir ganz warm ums Herz."...  

Tatsächlich habe ich schon oft bei Menschen, von dessen Aussehen ich mich anfangs eher abgestoßen gefühlt habe, eine Schönheit ent­deckt, die mich überrascht und sehr berührt hat. Mir hat es dabei meistens geholfen, wenn diese aus ihrem Herzen sprachen, sei es in Trauer oder in der Freude.  

  Ich glaube inzwischen, dass jeder Men­sch diese Schönheit in sich trägt und dass man sie auch sehen kann, wenn man sich nicht von der "Hülle" (dem Körper, den Worten, ...) ablenken lässt und diesem da­durch eine ungesunde Bedeutung gibt. Und ich persönlich möchte lernen, diese tiefere Schönheit mehr und mehr in jedem Menschen zu sehen - nicht zuletzt deshalb, weil ich mich dadurch selbst einfach wohler fühle...  

Woran kann ich erkennen, dass ich mich im
"verurteilenden Denksystem" verfangen habe?

Um sich bewusst für eines der beiden Paradigmen entscheiden zu können, ist es wichtig die Symptome zu kennen, die sich in dem jeweiligen Denksystem / in der jeweiligen Art der Weltanschauung einstellen.  

Wenn ich mich im "verurteilenden Para­digma" verfangen habe, kann ich das auf drei Ebenen feststellen:

- Auf der Ebene des Verstandes:
Ich merke, dass ich "verurteilende Gedanken" habe.

- Auf der Ebene der Gefühle:
Ich merke, dass ich unangenehme Gefühle habe (Angst, Ärger, Irritation, Depression, ...).

- Auf der Körperebene:
Ich spüre in meinem Körper "Unangenehmes" (Anspannung, Taubheit, Brennen, Druck, o.ä.).

Allgemein verfange ich mich vor allem in Situatio­nen, die für mich herausfordernd sind, in diesem "verurteilenden Paradigma", d.h. in Situationen, die für mich mit schmerzhaften / traumatischen früheren Erfahrungen ver­bun­den sind. Ich spüre dann oft einen inneren Druck. Allgemein bin ich dann "auf der Hut" oder irgend­wie "auf der Suche"; mein Verstand sucht irgendwas, das ich tun kann - Ich möchte dann unbewusst vor allem dem Unangenehmen in mir und dem Gefühl der Hilflosigkeit ausweichen... 

  Wenn ich im "Paradigma der Gewaltfrei­heit" bin, spüre ich im Gegensatz dazu eine Lebensfreude in mir und bin ent­spannt und wach. Solche Momente hatte ich früher schon immer wieder, wenn ich z.B. verliebt war, wenn ich mit meinen Sinnen etwas genossen hatte (Schönheit, Geschmack, Be­rührung, ...), oder wenn es mir aus anderen Gründen gut ging. Früher wusste ich nicht wirklich warum es mir so gut geht. Ich hab mir gesagt, es sei wegen der Umstände. Heute sehe ich: In solchen Momenten bin ich im "Paradigma der Gewaltfreiheit" und ich habe keine ver­urteilenden Gedanken, bzw. ich glaube nicht an sie, sondern ich nehme sie liebevoll an, wenn sie da sind - und ich höre / spüre sie und entwickele liebevolles, mitfühlendes Verständnis für sie...

Wie komme ich vom "verurteilenden Paradigma"
in das "Paradigma der Gewaltfreiheit"?

Der Weg raus aus dem "verurteilendem Paradigma" zurück in das "Paradigma der Gewaltfreiheit" kann nur mit Liebe und Mitgefühl gelingen. Wenn ich mich dafür verurteile, dass ich mich im "verurteilenden Denksystem" verfangen hab / dass ich verur­teilende Gedanken habe, verstricke ich mich auf eine verstecktere Weise nur noch mehr in der "verurteilenden Denkweise".

Der erste Schritt zurück zum "Paradigma der Gewaltfreiheit" ist, zu erkennen, dass ich mich im "verurteilenden Denk­system" verfan­gen habe. Die oben beschriebenen Symp­tome auf den drei Ebenen: Körper, Gefühle und Verstand, helfen mir bei diesem Erkennen.

Der zweite Schritt ist, dass ich mich für das "Paradigma der Gewalt­freiheit" entscheide. Diese Entscheidung ist geboren aus der Erkenntnis, dass es das Beste für mein Wohlbefinden ist (hier musste erst mein Vers­tand durch Einsicht und Erfahrung überzeugt werden). 

Und der dritte Schritt schließlich ist, dass ich Liebe und Mitgefühl für das Unangenehme in mir entwickle. Bei Auslösern mit geringer Bedeutung für mich, genügt es das "suchende Denken" einfach liebevoll anzuerkennen und dann loszu­lassen. Bei starken Auslösern brauche ich Unter­stützung in Form von liebevoller Beglei­tung durch andere, damit ich Liebe und Mit­gefühl für das Unangenehme in mir (das im Grunde ein verletzter Teil von mir selbst  ist) entwickeln kann.

Ohne dem Unangeneh­men in mir zu glauben oder seinem Impuls zu folgen, gebe ich ihm zuerst Raum und atmen hinein und empfange und halte es mitfühlend. Auf diese Weise "höre" / "spüren" ich es wirklich... Wenn ich es schaffe das Unangenehme in mir liebe­voll anzu­neh­men, ohne es weg haben zu wollen, kann ich schließlich meistens die da­runter liegende Sehn­sucht spüren und so mitfühlendes Verständnis für das Unangenehme in mir entwickeln... Und wenn ich die Trauer und das Mitgefühl, dass in dieser Sehnsucht liegt, wirklich spüre, wird das Unangenehme schließlich weicher und kann "im Sonnenstrahl der Liebe" schmelzen...

Auch dieser letzte Schritt gelingt übri­gens immer schneller und leichter, je besser ich meine "wunden Punkte" und die darunter liegende Sehnsucht kennen lerne. Für diesen wohl nie endenden Prozess des Kennenlernens war und ist für mich die Transforma­tionspraxis von Robert Gonzales, sowie die Übung deren einzelner Elemente, die ich in meinem Artikel "Sieben Elemente der Selbstheilung - Fähigkeiten für den Alltag" (Blog vom 25. Mai 2011) beschrieben habe, unverzichtbar.

Meine Entwicklung zum "Denksystem der Gewaltfreiheit" hin

Mein persönlicher Weg ins "Paradigma der Gewaltfreiheit" hat vor über 6 Jahren mit der Teilnahme an einer Einführung in die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) Marshall Rosenbergs begonnen. Ich habe dort und in den vielen Seminaren danach gelernt, verurteilendes Denken und dessen Auswirkungen zu erkennen. Ich habe gelernt, verurteilendes Denken in das zu übersetzen worum es mir jeweils wirklich geht.  

Gleichzeitig habe ich erst in den letzten Wochen erkannt, dass ich doch auch all die Jahre getrieben war durch ein "mich schuldig Fühlen" - und dieses getrieben Sein hat mich immer wieder Dinge tun lassen, ohne dass ich dabei die Bedürf­nisse anderer überhaupt sehen konnte.

Wenn man Gewalt als jedes Tun oder Unterlassen definiert, das die Bedürfnisse anderer nicht achtet, hat mich dieses getrieben Sein also Gewalt ausüben lassen - und das ob­wohl meine, mir bewusste Absicht auch in solchen Situationen meistens die war, zum Wohlergehen anderer beizutragen.  

Dieses getrieben Sein hat sich erst grundsätzlich lösen können, als ich von der Illusion der "Schuld" und "Sünde" los­lassen konnte und dadurch den anderen und vor allem mir selbst verzeihen konnte... Wie bereits erwähnt hat sich so auch der Glaubenssatz aus meiner Kindheit: "Ich mach immer alles falsch", lösen können. Dadurch konnte ich erleben wie es ist, in mit "offener, nicht-verurteilender, mitfüh­lender Haltung" zu sein, oder anders aus­gedrückt: Im "Paradigma der Gewalt­freiheit" zu ruhen, oder auch: "Entspannt und mit Tatkraft und Lebensfreude" zu leben...  

Inzwischen habe ich festgestellt, dass dies auch ange­sichts der Gewalt auf der Welt, im Grunde ein andau­erndes Üben ist, immer wieder, durch das Entwickeln von mitfühlendem Verständnis für alle jeweils Beteiligten, zu verzeihen. Ich fin­de mich immer wieder im "verurtei­lenden Denksystem" wieder und leide (auch noch während des Retreats ist es mir so ergan­gen) - und ich kann mich immer wieder darin üben, mit­fühlend mit mir und anderen zu sein und mich dadurch für die andere Denk­weise / die andere Weltanschauung / für Entspannung, Tatkraft und Lebensfreude zu entscheiden.

  Dieses Üben ist eine dauernde Übung im Vergeben, mir selbst und / oder anderen gegenüber, für die ich auch immer wieder Unterstützung durch anderen brauche. Und dieses Üben hat mich schon sehr vom Leiden befreit, und ich habe öfters und mehr Tatkraft, weil ich aus Liebe und Freude heraus für etwas handle und nicht aus Angst, Anspannung und Ärger und gegen etwas - und ich kann somit besser für mich und andere da sein...

Ein effektiver Weg auch für Dich?

Ich glaube nicht, dass es so wie bei mir 6 Jahre dauern muss, dieses Bewusstsein zu entwickeln. Allerdings spielt es im Grunde keine Rolle wie lange es dauert und es ist sogar ein Hindernis auf dem Weg, wenn man sich im Hinblick auf die Zeit unter Druck setzt. Außerdem beginnt schon mit dem ersten Schritt (bei mir mein erstes GFK-Seminar) eine vielleicht manchmal langsame oder auch zeitweise stockende, aber doch stetige Entwicklung hin zum Besseren.

Gleichzeitig glaube ich schon, dass es so etwas wie "Best Practices" / "Beste Verfahren" / "Erfolgsmodelle" auch für die Persönlichkeits­entwicklung und für die Entwicklung hin in das "Denksystem der Gewaltfreiheit" gibt.

Ich persönlich habe in den letzten 11 Jahren, in denen ich mich intensiv mit Persönlichkeits­entwicklung beschäftigt habe, keine effek­tivere Unterstützung, für die eigene Entwicklung hin zur Gewaltfreiheit, entdeckt, als das Modell der GFK, in Verbindung mit einer Art der Schattenarbeit / Psychohygiene, wie z.B. die Transformationspraxis von Robert Gonzales (vgl. mein Blog vom 25. Mai 2011).

  Und ich bin davon überzeugt, dass das Modell der GFK nicht nur Menschen ohne (formale) Religion unterstützt, sondern sich auch sehr gut mit allen existierenden Religionen vereinbaren lässt. Ja ich glaube sogar, dass es sehr dabei hilft, den jeweiligen Glauben zu vertiefen und mehr und mehr zu leben... 

Wie Ken Wilber, der schon als "Einstein der Bewusstseinsentwicklung" bezeich­net wurde, zeigt (vgl. myilp.com), ist irgendeine Form von "Schattenarbeit" / "Psychohygiene" auch für jede Meditationspraxis notwendig, weil nur so die eigenen, unbewussten Anteile wieder zu sich genommen und damit integriert werden können, und erst dadurch könnnen die eigenen Projektionen verringert werden.

Zudem scheint mir das Loslassen von dem Glauben an "Schuld" und "Sünde" in all dem, ein äußerst wert­voller "Katalysator" für die Entwick­lung hin zur Gewaltlosigkeit zu sein. Mir hat es jedenfalls zum "Durchbruch" verholfen.

Ich freue mich darauf, die oben beschrie­benen neuen Erkenntnisse und Erfah­rungen in meine Seminare einfließen zu lassen :-)

Angesichts der Gewalt auf der Welt und der Zunahme der Zerstörungskraft von Waffen aller Art, gibt es wohl für das Überleben der Menschheit nichts wichti­geres, als Menschen für die persönliche Entwicklung hin zur Gewaltlosigkeit zu begeistern und ihnen einen gangbaren Weg zu zeigen - und sie schließlich dabei zu unterstützen, diesen Weg zu gehen. Lass uns mit gutem Beispiel vorangehen...

Ich würde mich freuen von Dir eine Rück­meldung zu bekommen, wie es für Dich war, diesen Artikel zu lesen. Ich hoffe jedenfalls, er inspiriert Dich.

Bis zu nächsten Mal - lebe bewusst und mitfühlend :-)

Volkmar Richter

www.GFK-Lebensfreude.de

Wie schon angedeutet, lösen die verurtei­len­den Gedanken in Form von "Ich bin ..." oder "Du bist ..." zwar meist am deutlichsten Leiden aus, weil sie direkt gegen den betreffenden Menschen gerichtet sind. Allerdings sind sie nur die Spitze des Eisbergs des "verurteilenden Denksystems". Verurtei­lung­en / Bewer­tungen von Hand­lungen oder Unter­lassungen mögen sich nicht so deutlich auf uns auswirken, aber zum einen können sie leicht unsere un­bewussten Selbstverur­teilungen ansprechen, bzw. lösen diese aus und zum anderen ziehen sie uns in das "verurteilende Denksystem" hinein; sie "gewöhnen" uns sozusagen an Verur­tei­lungen und stützen den Glauben an ihren vermeintlichen Wert.

Du kannst die Auswirkungen gut spüren, die verurteilenden Ge­danken gegenüber anderen auf Dich haben. Buddha soll gesagt haben: "Groll mit sich herumtragen ist wie das Greifen nach einem glühenden Stück Kohle in der Absicht, es nach jemandem zu werfen. Man verbrennt sich nur selbst dabei.", und ich glaube, Du kannst auch diesen Effekt mit folgendem Experiment gut spüren:
Erinnere Dich an eine Situation in der Du Dich über jemanden geärgert hast - und spüre in Deinen Körper wie es sich jetzt im Moment anfühlt...
Obwohl wir uns oft zumindest nicht gleich dessen bewusst sind, ist Ärger immer mit einem Urteil darüber ver­bunden, dass etwas "falsch" ist und anders sein "sollte" - Ärger kann also als eine Form der Angst, vor dem was ist / des Widerstands, gegen das was ist, ver­standen werden und ist nur innerhalb des "verurteilenden Denksystems" möglich.
Meiner Meinung nach leiden wir aus zwei Gründen unter den Verurteilungen anderer:
1.: Wie das Experiment gezeigt hat, leiden wir zuallererst selbst darunter (wenn auch oft unbemerkt), wenn wir andere verurteilen. Abgesehen von der kurz­fristigen Erleichterung, die wir erleben können, wenn wir es schaffen, die "Schuld" anderen zu geben - der Grund hierfür liegt wohl vor allem darin, dass sich dann unser eigenes (unbewusstes) Schuldgefühl etwas entspannt -, halten uns auch die Verurteilungen anderer davon ab, Vergangenes loszulassen / Frieden mit Vergangenem zu schließen - wir ärgern uns (und wir tun das tatsächlich ganz alleine ;-).
2.: Zudem muss ich immer auch befürchten, selbst verurteilt zu werden, wenn ich andere verurteile. Ich lebe zwangsläufig unter dieser latenten Angst, vor Verurteilung und muss mich davor schützen (z.B. dadurch, dass ich immer wieder beweise, dass andere "schlechter" sind / dass ich "besser" bin). Und wenn andere mich tatsächlich verurteilen, wird es unangenehm für mich: die latent vorhandene Angst wird wach.
Selbst die Bibel spricht diesen Aspekt an: "Richtet nicht, auf dass Ihr nicht gerichtet werdet."...



Diese zwei Zusammenhänge führen zu dem kleinen und großen Leiden, das in dem "verurteilenden Denksystem" unausweichlich ist und das letztendlich für uns selbst das Leben im wahrsten Sinne des Wortes zur Hölle machen kann... Das ist es wohl auch was Gandhi meinte, als er sagte, er selbst sei sein größter Feind... In "Ein Kurs in Wundern" steht: "Es gibt keine Hölle. Die Hölle ist nur das, was das Ego [das verurteilende Denken] aus der Gegenwart gemacht hat."...
Ich möchte noch anmerken, dass selbst "posi­tive" Urteile wie Kompli­mente oder Lob können uns, im Gegen­satz zu wertfreiem Ausdruck von Aner­kennung und Dankbarkeit, auf unmerk­liche Weise in dem "ver­urteilende Denksystem" verstrickt halten - ich werde weiter unten nochmals näher darauf eingehen...
3 Kommentare

Freiheit und Egoismus, Partner oder Gegenspieler? Angst für persönliche Entwicklung nutzen

(Version 3)

Download
Freiheit und Egoismus V3.pdf
Adobe Acrobat Dokument 67.9 KB

Der Drang nach Freiheit ist wohl allgemein eine ebenso starke Kraft wie der nach Gemeinschaft. Leider wird die Frage, was denn Freiheit eigentlich ist, meist nur oberflächlich beantwortet, in der Art wie: Freiheit ist, tun zu können was ich möchte! Aber ist es das wirklich? Schopenhauer sagte: "Der Mensch kann wohl tun was er will, aber er kann nicht wollen was er will." - wie viel wäre dann die Freiheit, tun zu können was man möchte, überhaupt wert?

 

Ich persönlich habe erst noch vor wenigen Monaten erlebt, wie ich mir selbst unbemerkt, weil schleichend (!) viel Freiheit genommen hatte. Ich hatte mich selbst dadurch eingeschränkt, dass ich meiner Angst geglaubt hatte, anstatt sie zu hören, zu verstehen und sie liebevoll und mitfühlend anzunehmen - was mich befreit hätte (siehe mein Blog vom 11.5.). Das hat dazu geführt, dass ich mir Handlungsmöglichkeiten genommen und mich dadurch selbst unfrei gemacht hatte.

 

In bezug auf "Freiheit" können wir uns wohl nur an unserer subjektiven Erfahrung orientieren. D.h. die Frage: Wie frei bin ich objektiv? hilft überhaupt nicht weiter. Vielmehr ist wichtig: Wie frei fühle ich mich?

Gestern hab ich bei Ken Wilber (Eros, Logos, Kosmos - Kap. 7) etwas gelesen, was diesen Zusammenhang betrifft (S.317): "… für die Entwicklungspsychologie ist fortschreitende Entwicklung = zunehmende Verinnerlichung = zunehmende relative Autonomie" und Wilber fügt noch hinzu: " = abnehmender Narzissmus" (= abnehmender Egoismus / zunehmende Dezentrierung).

 

Anders ausgedrückt: Die Entwicklungspsychologie sieht fortschreitende Entwicklung darin, dass der Menschen zunehmend mehr in der Lage ist, sich Bedürfnisse, bei denen er vorher von anderen Menschen abhängig war, selbst zu erfüllen, d.h. er "verinnerlicht" diese Bedürfnisse / sie werden zunehmend "intrinsisch" - und dies führt zu mehr relativer Autonomie, d.h. zu mehr gefühlter, bzw. erfahrener Freiheit und gleichzeitig zu abnehmendem Narzissmus / Egoismus.

 

Dass die Fähigkeit, zunehmend für sich selbst zu sorgen / sich zunehmend seine Bedürfnisse selbst zu erfüllen, zu mehr subjektiver Freiheit führt, ist einleuchtend. Und gleichzeitig ist das wohl die größte Falle unserer Gesellschaft, denn oft wird (meist unbewusst) aus einer Angst vor Unfreiheit / vor Einschränkung der Wahlmöglichkeiten, der Weg gewählt "möglichst unabhängig" zu sein - und das ist im Grunde ein "Zwang zur Unabhängigkeit", und wie jeder Zwang, schränkt auch dieser unsere Freiheit in Wahrheit ein. Mit der Freiheit ist es wohl genau wie mit dem Glück: Wir können sie nicht direkt erreichen, denn dann verlieren wir sie.  

 

Man kann diesen "Zwang zur Unabhängigkeit" auch "Zwang zur Freiheit" nennen und er bedeutet eben genauso Abhängigkeit, wie das direkte Abhängigsein von anderen. Und dieser Zwang führt im Grunde zu Egoismus - und diesen erleben wir oft bei Menschen, die sie Freiheit auf ihr Banner geschrieben haben. Deshalb ist der letzte Teil der oben stehenden Gleichung nicht so einleuchtend: Warum soll zunehmende relative Autonomie zu abnehmendem Egoismus führen? Es scheint unserer Erfahrung entgegen zu stehen. Wilber schreibt (S.317): "... mit fortschreitender Entwicklung [ist man] immer besser in der Lage ..., den eigenen  isolierten und subjektiven Standpunkt zu transzendieren und dadurch zu höheren und weiteren Perspektiven und Identitäten zu gelangen."

 

Was bedeutet das in der Praxis? Um Klarheit darüber zu bekommen, ist es hilfreich, zu schauen was zunehmende relative Autonomie bewirkt: Je mehr ich weiß / das Vertrauen habe, dass ich in bestimmten Bereichen für mich sorgen kann, desto unabhängiger bin ich in diesen Bereichen von bestimmten Menschen / bestimmten Situationen - allgemein: desto unabhängiger von außen bin ich in diesen Bereichen.

 

Dieses Vertrauen, dass ich für mich sorgen kann, entlastet mich, selbst wenn ich gerade in einer Situation bin, in der viele meiner Bedürfnisse leiden - ich bin unabhängiger von dieser Situation und kann dadurch auch leichter andere und deren Bedürfnisse sehen / mich leichter in andere hinein versetzen.

 

Ein Beispiel aus meinem Leben: Ich war kürzlich in einer Beziehung in der ich große Hoffnung hatte, endlich das gefunden zu haben, wonach ich mich schon lange gesehnt hatte. Rückblickend sehe ich deutlich, dass ich (aus verschiedenen Gründen) zu der Zeit nicht das Vertrauen hatte, dass ich auch mit einer andere Frau eine Beziehung führen kann, wie ich sie mir wünsche. Fehlendes Vertrauen wird als Angst erlebt - und ich habe sie als Angst, die Beziehung zu verlieren, erlebt - und diese Angst hat viel Anspannung und Schwere in die Beziehung gebracht - und wie das meist so mit der Angst ist: das wovor ich Angst hatte ist schließlich eingetreten, die Partnerschaft endete. So betrachtet ist Eifersucht übrigens mangelndes Vertrauen, dass man das bekommen kann, was man braucht - im Grunde mangelndes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, für sich sorgen zu können...

 

Leider hatte ich in dieser Zeit der Angst und Anspannung besondere Schwierigkeiten, für meine eigene Unterstützung zu sorgen und deshalb war ich sehr in diesem Leiden gefangen - und hab auch Dinge getan, die für meine Freundin sehr schmerzhaft waren. Ich konnte aufgrund meines eigenen Leidens nicht wirklich ihre Situation sehen, ihre Not und ihre Ängste sehen, konnte nicht wirklich ihre Bedürfnisse sehen und achten.

 

In meinem Leiden war ich egoistischer als ich normalerweise bin (wie ich inzwischen weiß, eine natürliche Reaktion) - und zwar vor allem deshalb, weil ich nicht das Vertrauen hatte, dass ich unabhängig von meiner Freundin glücklich werden kann - und das bedeutete eben Angst. Anders ausgedrückt: ich war ziemlich abhängig von meiner Freundin und gleichzeitig egoistisch, weil ich aufgrund von meiner Angst ihre Bedürfnisse bestenfalls mit meinem Denken verstehen, aber nicht wirklich wertschätzen und achten konnte...

 

Besonders klar wurde mir das, als ich dann endlich zunehmend zu dem Vertrauen gefunden hatte, dass ich auch unabhängig von meiner Freundin gut für mich sorgen kann (mein Artikel vom 11.5. handelt davon). Dieses zunehmende Vertrauen erst hat es mir ermöglicht, auch ihre Seite wirklich zu sehen und zu verstehen und ihre Bedürfnisse zu achten - kurz weniger egoistisch zu sein...

 

So gesehen wird deutlich, dass das Vertrauens in die eigene Fähigkeit, für sich zu sorgen, von zentraler Bedeutung ist, von Egoismus weg zu kommen, hin zu mehr "weltzentrischem" Denken und handeln, d.h. dazu, dass sich der Kreis derer, die ich "im Blick" habe / auf die ich Rücksicht nehmen kann, vergrößert.

 

Dieses Vertrauen in die eigenen Fähigkeit, für sich zu sorgen, erfordert übrigens die Fähigkeit von anderen Unterstützung anzunehmen, denn nicht nur in unserer modernen, hoch komplexen Welt können wir ohne die Unterstützung durch andere nicht gut für uns sorgen. Alle erfolgreichen Menschen konnten nur durch Menschen, die sie unterstützt haben, erfolgreich werden. Es geht also nicht darum "Unabhängigkeit von anderen" zu kultivieren, denn das ist meistens eben die Abhängigkeit von der Unabhängigkeit, die zu Egoismus führt. Es geht vielmehr darum, wirklich für sich sorgen zu lernen - und das schließt die Bereitschaft ein, sich in gegenseitige Abhängigkeiten zu begeben - oder genauer: sich der immer schon vorhandenen gegenseitigen Abhängigkeit bewusst zu sein / sie nicht zu verleugnen.

 

Wie können wir diese Zusammenhänge für Entwicklung nutzen?

 

Wie wir gesehen haben ist das Vertrauen, dass ich für mich sorgen kann, ein zentraler Punkt dafür, wie frei ich mich fühle. Da Angst, fehlendes Vertrauen anzeigt, lässt sich die Angst gut nutzen, hier heilend und bewusstseinsfördernd einzugreifen. Lebensratgeber mit Tipps wie: "Spüre die Angst und tu es trotzdem!" (z.B. Susan Jeffers) können hilfreich sein, denn wenn man es "trotzdem tut" und Erfolg hat, kann man die Angst "verlieren" - man lernt zu vertrauen.

 

Das kann allerdings leicht dazu führen, dass wir Teile von uns / eigene innere Stimmen unterdrücken und abspalten - so weit sogar, dass wir die Verbindung zu ihnen tatsächlich "verlieren". Im Grunde entwickeln wir dadurch eine Angst vor der Angst (siehe "Phobos" in meinem Artikel vom 18.5.) - eine Angst vor dem Unangenehmen - und die verhindert ein "sich bewusst werden" und blockiert damit persönliches Wachstum - und damit ein freier Werden. Irgendwann wehren sich dann auch diese inneren Anteile. "Burn-out" lässt sich z.B. auf die lang anhaltende Unterdrückung eigener Anteile / Sehnsüchte / Bedürfnisse zurückführen.

 

Umgekehrt geht das mit der Angst übrigens leider auch: Wenn wir der Angst "glauben" und das wovor wir Angst haben, nicht tun, wird unsere Angst bestätigt / wir lernen, dass die Angst "berechtigt" ist - das hat die Forschung in der Verhaltenspsychologie deutlich gemacht.

 

Der Ansatz, den Menschen wie Marshall Rosenberg, Robert Gonzales, Miki Kasthan, Susan Skye und viele andere mit Hilfe der GFK verfolgen, geht darüber hinaus. Man kann ihn am leichtesten nachvollziehen, indem man sich fragt, was einem Kind helfen würde, dass gerade Angst hat.

 

Wenn eine meiner Töchter oder mein Sohn zu mir gekommen wäre, als sie/er noch klein war, und z.B. gesagt hätte: "Ich hab Angst, in meinem Zimmer ist ein Gespenst!", dann kann man sich vorstellen was passiert, wenn ich gesagt hätte: "Ja, Du hast recht - dann bleib einfach hier bei mir, da bist Du sicher.", oder "Ich komm mit und verscheuche es, OK?" - wenn ich also sozusagen, der Angst geglaubt hätte.

Oder aber wenn ich gesagt hätte: "Du brauchst doch keine Angst zu haben!", oder gar "Stell Dich nicht so an, Du bist doch schon groß!" - hier hätte ich versucht, die Angst zu verdrängen.

Beide Reaktionen würden kaum dazu beitragen, dass mein Kind Vertrauen aufbauen und seine Angst verlieren hätte können. Leider habe ich damals tatsächlich mal auf die eine, mal auf die andere Weise reagiert - ich hatte es ja selbst von meinen Eltern und den anderen Bezugspersonen nicht anders erfahren.

 

Wie wäre es aber, wenn ich mein Kind hören könnte und wenn es den Eindruck hätte, verstanden zu werden und das Vertrauen, dass seine Bedürfnisse ernst genommen werden? Wenn ich z.B. gesagt hätte: "Du hast grad ganz schön Angst, stimmts? Möchtest wirklich sicher sein, dass Dir nicht passiert, ja?". Und wenn ich mein Kind dann einfach in den Arm genommen hätte, so lange es das gewollt hätte. Man kann sich gut vorstellen, dass es sich entspannen und Vertrauen hätte aufbauen können. Leider habe ich so eine Behandlung selbst nie erfahren und konnte sie deshalb auch nicht an meine Kinder weitergeben - zumindest nicht bevor ich die GFK kennen gelernt habe (und auch danach war es anfangs noch sehr schwer)...

 

Wie möchten wir also unseren eigenen Ängsten umgehen? Leider gehen wir mit denen in der Regel genau so um, in unserer Kindheit andere mit ihnen umgegangen sind, d.h. wir glauben ihnen und lassen unser Tun von ihnen bestimmen, oder wir verdrängen sie... Beides hat einen hohen Preis: Entweder wir verlieren unsere Freiheit, weil wir Situationen in unserem Leben ausweichen müssen. Oder wir verlieren die Verbindung zu Teilen von uns und verhindern dadurch, uns selbst besser verstehen zu lernen. Beides blockiert auf seine Weise die persönliche Weiterentwicklung. Aber wir können neue Wege gehen...

 

Der Angst folgen ohne ihr zu glauben - sie hören, verstehen und mitfühlend halten...

Aus dem Beispiel mit meinen Kindern können wir sehen, welcher Umgang mit unserer Angst hilfreicher sein könnte: sie zu hören ohne ihr zu glauben, und sie zu verstehen und mitfühlend zu halten. Konkreter sieht das folgendermaßen aus (vgl. meinem Blog vom 25.5., "Sieben Elemente der Heilung - Fähigkeiten für den Alltag"):
- Die Angst hören ohne ihr zu glauben: Die ängstlichen inneren Stimmen / Gedanken hören / sie laut ausdrücken (bitte nicht Betroffenen gegenüber!) und die Energie / das Unangenehme im Körper spüren.

- Die Angst verstehen: Die gute Absicht der Angst verstehen / was für Bedürfnisse wollen erfüllt werden?

- Die Angst liebevoll und mitfühlend halten: Alle Tendenzen, die Angst / das Unangenehme "weg haben" zu wollen, fallen lassen. Das Unangenehme in uns liebevoll annehmen / ihm Raum geben.

Im Grunde sind diese drei Elemente allgemein die drei Elemente von Empathie und wir können durch sie zunehmen die Verbindung mit der Sehnsucht "hinter" / "unter" der Angst herstellen. Dadurch wird die Angst weicher werden und sich gar auflösen können. Dieses Vorgehen ist zumindest am Anfang wohl niemandem ohne mitfühlende Begleitung durch andere möglich - sonst hätten wir diese Ängste gar nicht erst entwickelt.

 

Und hier besteht für viele ein großes Hindernis aus dem eigenen Leid herauszukommen: Wenn ich in meiner Angst feststecke, hab ich den Eindruck, ich müsse mich vor allem schützen - wenn ich leide, fällt es mir besonders schwer, andere um Unterstützung zu bitten. Aber auch wenn ich es schaffe, jemanden anzurufen und der jemand Zeit hat, ist es immer wieder erst mal eine Hürde, mich zu öffnen. Die Hürde, für meine Unterstützung zu sorgen, wenn ich im Leiden feststecke ist zwar erheblich geringer geworden, weil ich ja immer wieder die Erfahrung mache, dass es mir gut tut - sie ist allerdings noch spürbar.

 

Das einzige was sicher gegen diese "Ausweichtendenz" hilft, ist es sich in "guten Zeiten" zu überlegen, was wir in "schlechten Zeiten" tun wollen / wie wir in "schlechten Zeiten" am besten für uns sorgen können. Meine eigene wichtigste Strategie ist es, dass ich regelmäßig Empathiegespräche mit Freunden plane (mindestens 2 mal wöchentlich für 1-1,5 Stunden) - und dass diese nach einem Muster ablaufen, das verhindert, dass meine Gesprächspartner und ich uns etwas vormachen können.

 

Diese Strategie in Verbindung mit der Transformationsarbeit von Robert Gonzales hat es mir vor allem ermöglicht, innerhalb von wenigen Jahren viele alten Verletzungen zu heilen und damit verbundenen Ängste aufzulösen, die mich mein ganzes Leben begleitet hatten - und dadurch zunehmend in der Haltung der GFK / in einer offenen, mitfühlenden Haltung mir selbst und anderen gegenüber zu leben. In meinem Blog vom 11.5. hab ich meine jüngste Erfahrung in diesem Zusammenhang beschrieben.

 

Eine konkrete Idee für eine Unterstützung der persönlichen Entwicklung:

 

Wenn wir sehen, dass zunehmendes Vertrauen darin, dass wir für uns sorgen können (= zunehmende relative Autonomie / Freiheit) zu fortschreitender Entwicklung führt, können wir sagen, dass die Beschäftigung mit unseren Ängsten entwicklungsförderlich ist. Es fördert also unsere Entwicklung, wenn wir unseren Ängsten nicht ihnen glauben, sondern sie hören, sie verstehen und sie liebevoll und mitfühlend halten.

 

Eine regelmäßige Übung mit den eigenen Ängsten wird also die Entwicklung  fördern. Wenn im Alltag keine Ängste auftauchen, kann mit Gedankenexperimenten gearbeitet werden. Hier müssen wir allerdings vorsichtig und mitfühlend mit uns umgehen und uns nicht überfordern! Wir können uns z.B. überlegen wie es wäre wenn wir die Verbindung zu einem Menschen, den wir mögen, verlieren... Die höchste Übung wäre wohl die Beschäftigung mit dem Tod (dem eigenen oder dem geliebter Menschen)...

 

Wer keine Angst hat, muss dazu erste einmal Verbindung mit seiner Angst herstellen. Im Grunde kann man wohl mit gutem Grund sagen, dass jede Anspannung eine Form der Angst ist. Und auch wenn man dem nicht zustimmen mag, so kann man die oben stehende Übung einfach mit dem Unangenehmen in uns machen - mit derselben förderlichen Wirkung auf die persönliche Entwicklung.

 

Um die innere Klarheit zu erhöhen, sind auch noch andere Elemente hilfreich (siehe: "Sieben Elemente der Heilung"; Blog vom 25.5.) und ich werde diese in meinen nächsten Blog-Artikeln einzeln beschreiben und Übungen anbieten. Dadurch werde ich einen konkreten Weg zeigen, wie wir unsere "Muskeln stärken" können, mit dem unangenehmen in uns Freundschaft zu schließen - und zunehmend in Harmonie mit uns selbst und dadurch mit anderen leben und uns weiter entwickeln zu können.

 

Bis dahin - lebt bewusst und mitfühlend :-)
Volkmar Richter

2 Kommentare